Bremsen quietschen – mögliche Ursachen

Wenn die Bremsen quietschen, sollte man möglichst bald tätig werden und herausfinden, woran es liegt. Die Ursachen können harmlos sein, sie können auf Dauer aber auch zu Problemen mit der Bremsleistung führen. Oft kann man den zugrundeliegenden Defekt jedoch selbst beheben.

In Kürze:

  • Häufige Ursachen für quietschende Bremsen sind Schmutz und Rost, nicht eingefahrene Bremsen oder verglaste oder minderwertige Bremsbeläge.
  • Quietschen tritt häufig nach einem Wechsel der Bremsen und bei Nässe auf. Ein Reifenwechsel kann nicht zu einem Quietschen führen, aber u. U. zu einem Schleifen.
  • Gegen quietschende Bremsen helfen die Reinigung der Bremsanlage, Anschleifen der Bremsbelagkanten oder ein Austausch von Belägen und Bremsscheiben.

Warum quietschen Bremsen?

Schmutz und Bremsstaub auf den Bremsbelägen

Wird das Fahrzeug über einen längeren Zeitraum nicht bewegt, setzen sich Staub und Schmutz auf den Bremsbelägen ab. Mit ein paar kurzen, behutsamen(!) Bremsvorgängen während der Fahrt kann dieses Problem schnell gelöst werden, denn die Bremsen reinigen sich dabei selbst.

Verrostete Bremsscheiben

Rost kann ebenfalls dafür verantwortlich sein, dass Bremsen quietschen. Wie bei verschmutzten und verstaubten Bremsscheiben wird Rost durch eine lange Standzeit verursacht. Flugrost bremst sich mit der Zeit wieder ab. Haben die Bremsscheiben jedoch eine Rostkante, auf der der Bremsbelag aufliegt, ist ein Abschleifen (Sollwert nicht unterschreiten!) oder ein Wechsel der Bremsscheiben unausweichlich.

Mit Öl oder Fett beschmutzte Bremsen

Öl und Fett sind in der Bremsanlage ein No-Go. Einzig und allein an den richtigen Stellen verwendete Keramikpaste oder Anti-Quietsch-Paste ist erlaubt. Diese Paste sorgt für ein optimales Zusammenspiel der Bremsbauteile ohne Quietschen. Keramikpaste wird auch als Montage- und Schraubenpaste bezeichnet. Die Paste ist abriebfest und verhindert, dass sich die Bremsanlage festbrennt.

Nicht richtig eingefahrene Bremsen

Nach einem Wechsel sollten Bremsen eingefahren werden. Eine schonende Fahrweise auf den ersten 500 Kilometern hilft ihnen dabei, sich perfekt aneinander anzupassen. Eine Überbeanspruchung führt hingegen dazu, dass sich die Reibflächen unterschiedlich abnutzen, was zu einem dauerhaften Quietschen führen kann.

Verglasung durch Überhitzung der Bremsanlage

Auch eine massive Überhitzung kann dazu führen, dass Bremsen quietschen. In der Regel sind längere Bremsvorgänge und Vollbremsungen dafür verantwortlich, dass die Bremsscheiben blau anlaufen und die Bremsbeläge verglasen. Da durch solche Verglasungen praktisch kein Reibwert mehr vorhanden ist, beginnen die Bremsen zu quietschen. In diesem Fall muss der Bremsbelag abgeschliffen oder ersetzt werden. Sicherheitshalber prüft man dabei auch noch die Bremsscheibe und ersetzt auch sie, falls nötig. Abgefahrene Bremsbeläge sind übrigens keine Ursache dafür, dass Autobremsen quietschen, können aber im Extremfall zu einem Schleifgeräusch führen (dazu später mehr).

Nicht typgerechte oder billige Bremsbeläge

Bei Bremsbelägen auf Qualität zu verzichten, ist mit Sicherheit keine gute Lösung – auch wenn damit viel Geld gespart werden kann. Wenn Bremsscheiben und ‑beläge nicht optimal zusammenpassen, kann es nicht nur zum Quietschen kommen; eine schlechte Bremsleitung kann auch fatale Folgen für die Sicherheit der Insassen und anderer Verkehrsteilnehmer haben.

Gelochte oder geschlitzte Bremsscheiben, Keramikbeläge

Gelochte und geschlitzte Bremsscheiben neigen durch ihre Bauart mehr zum Quietschen als Bremsscheiben mit glatter Bremsfläche. Dies liegt daran, dass durch die Löcher bzw. Schlitze die Auflagefläche der Bremsbeläge nicht eben ist. Dadurch entstehen Schwingungen, die für das lästige Quietschen sorgen. Keramikbeläge verstärken diesen Effekt nochmal. Bei Sportbremsen wird das Quietschen in Kauf genommen, da es bei dieser Art Bremsen nicht um Komfort, sondern rein um Bremsleistung geht. Im normalen Straßenverkehr kommen quietschende Bremsen jedoch nicht so gut an.

Wann quietschen Bremsen?

Quietschen beim Bremsen

Quietschen die Bremsen beim Bremsvorgang, liegen die Bremsbeläge nicht sauber an den Bremsscheiben an. Oft ist an den Bremsscheiben haftender Bremsstaub dafür verantwortlich, aber auch eine Kante an der Bremsscheibe kann dazu führen, dass die Bremsbeläge daran reiben und es beim Bremsen quietscht.

Quietschen nach einem Wechsel der Bremsen

Wurden die Bremsen nicht ordentlich gewechselt, kann es zu einem Quietschen kommen. Haben beispielsweise die Bremsscheiben das Mindestmaß noch nicht erreicht, werden oft nur die Bremsbeläge getauscht. In diesem Fall ist es unumgänglich, die Kanten der Bremsbeläge anzuschleifen, weil sie ansonsten ungünstig an der Bremsscheibe reiben. Auch die Verwendung von Keramik- oder Anti-Quietsch-Paste an den Kontaktflächen von Bremsbelag, Bremssattel und Bremssattelhalter ist wichtig.

Bremsen quietschen bei Nässe

In diesem Fall befindet sich angesammeltes Wasser in der Bremsanlage. Das Quietschen tritt in den meisten Fällen direkt nach dem Losfahren bei schlechtem Wetter auf. Nach den ersten Bremsmanövern und wenn die Bremse wieder die richtige Temperatur hat, sollte das Quietschen weg sein.

Schleifende Geräusche

Was manchmal als Quietschen nach einem Reifenwechsel bezeichnet wird, ist eigentlich ein Schleifen und der Reifenwechsel selbst hat damit auch nichts zu tun. Das Quietschen tritt auf, wenn das Abschirmblech beim Reifenwechsel verbogen wurde (z. B. weil das Rad kurz darauf abgesetzt wurde) und es nun an der Bremsscheibe schleift. Die Lösung ist einfach: Das Blech muss wieder ordentlich hingebogen werden.

Manchmal wird ein raues metallisches Schleifen als Quietschen beschrieben. Tritt dieses Schleifen durchgehend bei der Fahrt auf und ist die Bremsscheibe bereits bläulich angelaufen oder glühend rot, dann sitzt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Bremskolben im Bremssattel fest. In diesem Fall sollte das Auto sofort abgestellt und in die nächste Werkstatt geschleppt werden. Der Wechsel des Bremssattels ist in diesem Fall meistens nicht zu vermeiden (Infos dazu, was beim Kauf des Bremssattels zu beachten ist). Manchmal hilft es aber schon, den Dichtungssatz zu erneuten und den Kolben abzuschleifen.

Tritt das Schleifen nur beim Bremsen auf, dann ist der Bremsbelag abgefahren, sodass nun Metall auf Metall bremst. Auch in diesem Fall muss das Auto in die Werkstatt geschleppt werden, wo Bremsscheiben und ‑beläge ausgetauscht werden.

Was man gegen quietschende Bremsen tun kann

Manchmal reicht es schon aus, die Bremsanlage zu reinigen und mit Keramik- oder Anti-Quietsch-Paste zu bestreichen:

  1. Auto aufbocken und Rad abnehmen.

  2. Bremssattel abnehmen

    Wichtig: Bremssattel nicht hängen lassen, sondern mit einem Haken in der Feder einhängen, da sonst der Bremsschlauch Schaden nehmen kann.

  3. Bremsbeläge ausbauen und Bremsscheibe auf Rost, Rillen und Verschmutzung prüfen.

    Bei Rost (kein Flugrost) und Rillen müssen Bremsscheiben erneuert werden.

  4. Bremsscheibe und Bremssattel mit Bremsenreiniger reinigen.

  5. Bremssattelhalter und Anti-Quietsch-Bleche mit Drahtbürste abbürsten und danach mit Keramikpaste oder Anti-Quietsch-Paste bestreichen.

  6. Sofern vorhanden, Führungsstifte aus dem Bremssattelhalter ziehen, reinigen und neu einfetten.

  7. Bremsbeläge auf der Rückseite mit einer Drahtbürste reinigen und die Kanten brechen.

  8. Bremssattel montieren, Rad ran und ab geht die Fahrt.

    Vorsichtiges Einbremsen nicht vergessen.

Anti-Quietsch-Paste am Bremssattelhalter …
… und am Bremsbelag an der Auflagefläche für den Bremssattelhalter

Aber auch normaler Verschleiß macht hin und wieder einen Wechsel notwendig. Normalerweise tauscht man Bremsscheiben und Bremsbeläge gemeinsam. Ist die Bremsscheibe aber noch gut und man möchte nur die Beläge erneuern, ist es notwendig, die Dicke der Bremsscheibe mit einer Bügelmessschraube zu messen und sie mit dem Neu- und Mindestmaß der Bremsscheibe zu vergleichen. Ist die Hälfte der Differenz zwischen Neu- und Mindestmaß noch nicht erreicht, kann nur der Bremsbelag erneuert werden, vorausgesetzt das Tragbild der Bremsscheiben ist in Ordnung und die Bremsscheiben haben keine Rostkante oder Rillen in der Lauffläche. Ist das Ist-Maß der Bremsscheibe näher am Mindestmaß als am Neumaß, dann muss die Bremsscheibe zwingend mitgetauscht werden.

Falls das Quietschen daherrührt, dass die Komponenten nicht zueinander passen (eher selten), solle man die Bremsscheiben und ‑beläge gegen qualitativ hochwertige Ersatzteile austauschen.

Fazit

Quietschende Autobremsen sind zwar lästig, können in den meisten Fällen aber rasch repariert werden. Auf alle Fälle sollte man während der Fahrt auf sein Auto hören. Egal, ob es um ein Quietschen oder Schleifen in der Bremsanlage geht, aus Gründen der eigenen und der Sicherheit der Mitfahrer und anderer Verkehrsteilnehmer sollte man die Ursachen für ein Quietschen so schnell wie möglich finden und den Fehler beheben.

FAQ

Warum quietschen Bremsen?

Häufige Ursachen für quietschende Bremsen sind Schmutz und Rost, nicht eingefahrene Bremsen oder verglaste oder minderwertige Bremsbeläge.

Kann man mit quietschenden Bremsen weiterfahren?

Erstmal ja, aber man sollte dem Problem möglichst bald auf den Grund gehen. Ein verschleppter Schaden an der Bremsanlage kann lebensbedrohlich sein. Ist hingegen ein metallisches Schleifgeräusch beim Fahren oder Bremsen zu hören, kann das an einem festsitzenden Bremskolben oder an komplett abgefahrenen Bremsbelägen liegen. In diesem Fall sollte man nicht weiterfahren, sondern das Auto in die nächste Werkstatt schleppen lassen.

Was kann man gegen quietschende Bremsen tun?

Manchmal reicht es aus, die Bremsanlage komplett zu reinigen. Oft hilft es auch, die Kanten der Bremsklötze abzuschleifen. Passen Bremsscheiben und ‑beläge nicht zusammen oder sind verschlissen, müssen sie ausgetauscht werden.

Was bedeuten Schleifgeräusche beim Bremsen?

Schleifgeräusche können vom Abschirmblech, vom Bremskolben und von den Bremsbelägen herrühren. Sind die Bremsbeläge bis zum Metall abgebremst, hört man beim Bremsen ein Schleifgeräusch. Sitzt der Bremskolben fest, hört man das Schleifen ständig, nicht nur beim Bremsen. In beiden Fällen sollte das Auto in die nächste Werkstatt geschleppt werden, fahren sollte man es vorerst nicht. Kommt das Schleifen von einem verbogenen Abschirmblech, hört man es ebenfalls ständig. Hier reicht es aber, das Blech einfach wieder zurechtzubiegen.

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