Chrysler PT Cruiser 2.4 Cabriolet: Chryslers Retro-Show

PT Cruiser – total retro, aber sehr stimmig.

Zur Jahrtausendwende war Retro voll in. Der Chrysler PT Cruiser interpretiert die 30er Jahre mit viel Platz und Plastik und macht das „Sich-von-der Masse-Abheben“ leicht. Er ist preiswert, verlangt von seinem Besitzer aber auch eine gewisse Portion amerikanische Gleichgültigkeit.

Quick Facts Chrysler PT Cruiser 2.4

  • Bauzeitraum: 2000 – 2010 (Cabriolet ab 2004)
  • Karosserien: Kombilimousine, Cabriolet
  • Benzinmotoren: 1,6 Liter – 2,4 Liter
  • Dieselmotoren: 2,2 Liter
  • Tankinhalt: 57 Liter
  • Preise 2021: 500 € – 6.000 €

Der PT Cruiser ist … anders

Lasst uns uns vom immer gleichen Design absetzen! Jetzt, denn es ist preiswerter als je zuvor! Wem New Beetle oder Fiat 500 zu klein, Challenger oder Camaro zu fett und Scorpio 95 oder Multipla Fiat zu peinlich sind – der oder die kann es mit dem PT Cruiser versuchen! Für amerikanische Verhältnisse ist die Limousine mit dem steilen Heck winzig, für europäische bietet sie erstaunlich viel Platz und vor allem dieses gewisse „Etwas“. Der Cruiser (PT steht dabei kreativ für Personal Transportation) polarisiert nicht ganz so schlimm wie ein Multipla, bei dem sich Fans und Verächter regelmäßig im Netz Beleidigungsschlachten liefern. Der Cruiser polarisiert subtiler. Aber auch das macht er wenig dezent, was im aktuellen Design-Einheitsbrei der Modellpaletten irgendwie versöhnt.

Hinten rausgucken ist quasi unmöglich.
Der Kofferraum ist gar nicht sooooo winzig!

Viel Platz und Plastik

Es sitzt sich sehr apart im Al Capone Mobil aus dem mexikanischen Toluca. Hinten fläzt man fast noch fluffiger als vorn, obwohl ich mir die seltenere Cabriolet-Variante für den Check ausgesucht habe. 

Amerikanische Platzverhältnisse im Fond.

Stoff und Plastik dominieren, aber wen das nicht stört, der findet übersichtliche Retro-Instrumente und eine üppige Basisausstattung von Klimaanlage, CD-Radio und Lederlenkrad bis zum elektrisch verstellbaren Fahrersitz.


Käffchen und Kippchen

Viele Gebrauchtwagen haben gar keine Cupholder und nur winzig kleine Aschenbecher. Deshalb checke ich als Nichtraucher in dieser Serie auch immer die Abstellmöglichkeiten für Coladosen und Kaffeetassen sowie die vom Fahrersitz aus erreichbaren Aschekapazitäten. 

Cupholder mit vielfältigen Möglichkeiten.

Es gibt im PT Cruiser zwei gut erreichbare Dosenhalter auf der Mittelkonsole. Einen Aschenbecher … äh … habe ich nicht gefunden. Später erkannte ich dann, dass es die als Doseneinsatz für jene Halter zu geben scheint. Wieder was dazu gelernt.


Als 1,90 m großer Norddeutscher sitze ich auch bei geschlossenem Verdeck bequem, aber das klappen wir jetzt für die Fahrt mal elektrisch ein. Oh. Auch das funktioniert alles (noch) tadellos. Was haben die denn bloß alle?

Einstieg in den klassischen Mafia-Dienstwagen.

Lahme, durstige Motoren

Unterwegs zerrt der quer eingebaute Vierzylinder über die Vorderachse an den 1,5 Tonnen und hat damit seine liebe Mühe. Er fühlt sich solide an, brummt und vibriert aber beim Beschleunigen unter der Last. Immerhin fährt diese Droschke handgeschaltet, trotzdem agiert der 143-PS-Block versoffener als Charles Bukowski. 

Der Vierzylinder ist rau und durstig.

In der Praxis sind weniger als 10 Liter Super nur warm vollgetankt, mit Rückenwind und Halbgas möglich. Und wer den Bordcomputer auf diese Weise mit Daten füttert, der macht auch die Briefe vom Finanzamt nicht auf. Weil er glaubt, dass er dann keine Steuern zahlen muss.

Mexikanische Verarbeitungsqualität

Unser silberner Freund hat noch keine 75.000 Kilometer auf der Uhr, deshalb sind verdächtige Knarzgeräusche oder Poltereien des Fahrwerks (noch) nicht zu vernehmen. Auch die Elektrik stellt mich nicht vor unerklärliche Phänomene oder Warnlampen, was sie im Alter gern mal macht. Trotzdem wirkt alles billig und schlecht verarbeitet, ein Schelm, wer das auf den Tequila und die Siesta in Mexicoooo schiebt. Schließlich hatte sogar ein hochpreisiger Beau wie der ML von Mercedes-Benz dramatische Qualitäts- und Elektronikprobleme. Obwohl … wartet mal … der wurde in Tuscaloosa, Alabama zusammengedengelt. Gibt es da vielleicht Parallelen? Oder sind solche Behauptungen heute nicht mehr von der political correctness gedeckelt? 

Kann ein Rücken auch entzücken?

Um versöhnlich zu werden: Der American Way of Drive made in Mexico ist beim Personal Transporter Cruiser jedenfalls nicht uncool. Die Optik, das Platzangebot und die vielen kleinen Plastikpinökel, die irgendwie alle einigermaßen funktionieren, machen eine Menge Spaß.

Selbstschrauben zum Schnäppchenpreis

Die gute Nachricht: Übermäßige Rostprobleme gibt es beim Chrysler PT Cruiser keine und der Auspuff erreicht ein biblisches Alter. Auch alle anderen gängigen Ersatzteile sind preiswert und einigermaßen gut zu bekommen, wenn ich das über unsere Ersatzteilsuche richtig recherchiere. Ich habe euch die Komponenten, die ich selbst bei einem Gebrauchtwagen immer zuerst austausche, in einer Übersicht preislich aufgelistet.

Alles rund um den Chrysler PT Cruiser.

Wie so oft ist die Spanne zwischen preiswerten No-Name-Teilen und den Pendants bekannter Hersteller vorhanden bis nennenswert. Hier kommt es auf eure ganz persönliche Philosophie an. Wer immer ATE oder Brembo verbaut hat und damit gut gefahren ist, der oder die wird das auch weiterhin machen. Wobei “für einen letzten Winter” vielleicht auch die Superbillig-Variante ausreicht.

Preiswerter geht es fast nicht

Und noch eine gute Nachricht: Man kann mit einem Chrysler PT Cruiser eigentlich nicht tief fallen, denn die Wannen gehen bei 500 € los. Vernünftige Exemplare mit wenigen Kilometern und ohne Reparaturstau kosten um die 3.000 €, die Cabriolets liegen da etwas drüber. Wenn Ihr jetzt neugierig geworden seid und euch das Mafia-Design nicht abschreckt, sondern anmacht – dann schaut bei uns einmal in den Preisvergleich für die Ersatzteile. Die werdet Ihr früher oder später brauchen. Aber das ist ja nicht nur beim PT Cruiser so. Er ist ein Auto, das Euch mit einer guten Lebenseinstellung durchaus ans Herz wachsen kann. Ay ay ay ayyy. Singen entspannt. Schiebt eine CD in den Schlitz (auch das ist irgendwie schon wieder Retro) und singt! Weint nicht. Denn singend freuen sich, mein Schatz, die Herzen. 

Ay, ay, ay, ay
Canta y no llores
Porque cantando se alegran
Cielito lindo, los corazones

Vorteileauffälliges Retrodesign Viel Platz vorn und hinten Üppige Serienausstattung Günstige Ersatzteilpreise
Einfache, leicht zu reparierende Technik
NachteileSchlechte Verarbeitung
Hoher Verbrauch Zu schwer für die Motoren
Drei von fünf Sternen im NCAP Crashtest
Anfällige Achsen und Lenkung
Preise500 € – 6.000 €
KleinigkeitenAnfällige Elektrik und Lichtanlage
Probleme im Motormanagement
Zentralverriegelung und Wegfahrsperre anfällig
Starker Verschleiß der Bremsen
Cabrioverdecke neigen zu Undichtigkeiten

FAQ

Ist ein gepflegter Chrysler PT Cruiser alltagstauglich?

Die simple Technik macht den Cruiser zu einem geräumigen Fahrzeug, das sich auch für einen Hobbyschrauber einigermaßen gut warten lässt. Berichte über verschlissene Lager und Poltern in den Achsen sollten beim Kauf aufhorchen lassen. Die Motoren sind alle etwas zu schlapp für das schwere Fahrzeug, wer keinen Rennwagen braucht, muss sich aber zumindest mit einer gewissen Durstigkeit auseinandersetzen. Es gibt wesentlich zuverlässige Fahrzeuge auf dem Markt – aber die sehen alle nicht so cool aus.

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Wie ist die Ersatzteillage?

Der Chrysler PT Cruiser wurde nicht für die Ewigkeit gebaut. Aber alle relevanten Teile für den reibungslosen Betrieb gibt es zurzeit noch über DAPARTO. Die Auspuffanlagen halten gefühlt eine Ewigkeit und die normalen Verschleißteile wie Bremsen, Spurstangenköpfe oder Nebenaggregate sind für kleines Geld neu zu bekommen. Verschlissenes Interieur oder Zierleisten lassen sich mit ein wenig Geduld im Netz auftreiben. Der Wagen hatte in Deutschland nie eine große Fangemeinde, deshalb sind die Foren eher übersichtlich.

Ersatzteile für den Chrysler PT Cruiser »

Ist ein PT Cruiser wirklich so schlecht verarbeitet?

Ja. Leider. Vor allem bei hohen Laufleistungen machen sich diverse Nebengeräusche bemerkbar, es poltert, knarzt und klappert. Lediglich sehr gut gepflegte Exemplare mit geringen Kilometerleistungen konnten die mexikanische Lässigkeit beim Zusammenbauen noch ein wenig herauszögern. Das Verdeck beim Cabriolet schließt nach vielen Jahren nicht mehr so, wie es soll, die Kunststoffpaneele bleichen aus und grabbeln sich nach starker Benutzung ab. Trotzdem sind die Cruiser nicht dafür berühmt, einfach stehenzubleiben. Es ist mehr die Anzahl der Kleinigkeiten, über die man hinwegsehen muss, wenn man sich nicht ständig ärgern möchte. Dafür bekommt man das Modell aber auch regelrecht hinterhergeworfen.

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Welcher Motor ist beim Chrysler PT Cruiser empfehlenswert?

So amerikanisch das Design ist – das Klischee von kernigen Slant Six oder bulligen V8 sucht man hier vergeblich. Der 1,6‑Liter-Vierzylinder als gängigstes Triebwerk mit 116 PS zerrt an den 1,5 Tonnen wie eine Ameise am Wurstbrot. Auch die Kollegen mit 2,0 und 2,4 Litern sind keine Rennmaschinen und sind genauso versoffen wie der 223 PS Turbo. Mehr Drehmoment von unten bietet nur das in zwei Versionen erhältliche 2,2‑Liter-Dieselaggregat der damaligen Konzernschwester Mercedes-Benz. Aber das sind eben auch nagelnde Diesel. Ja nun.

Ist ein PT Cruiser rostanfällig?

Wie sehr die preiswerten Gebrauchtwagen unter Korrosion leiden, ist bei diesem Modell extrem abhängig vom Vorbesitzer. Die glatten Karosseriebleche sind alle gut korrosionsgeschützt, dort wird man nur vereinzelt Rostprobleme finden (Heckklappe, Unterkanten der Türen). Anders sieht es unter dem Fahrzeug aus. Wurde der Cruiser in salzigen Wintern bewegt und nicht ausreichend konserviert, blüht die braune Pest in Falzen, auf Schweißnähten, auf allen Achsteilen und den Trägern. Es schadet also nicht, sich einmal unter den Wagen zu begeben. Hier kann es bisweilen verheerend aussehen – muss es aber nicht.


Jens Tanz – der Sandmann

Jens spielt seit seinem 16. Lebensjahr mit alten und nicht ganz so alten Autos im Maßstab 1:1. Diese Leidenschaft machte er nach ein paar Irrwegen in die Physik und die Elektrotechnik zum Beruf und schrieb Artikel und Kolumnen für AutoBILD, AutoBILD Klassik, GRIP – Das Motormagazin, Spiegel Online, das Drivestylemagazin TRÄUME WAGEN und die AUTO Classic. Heute betreut der Kieler über die Agentur elbkind reply die Social-Media-Kanäle vom Mercedes-Benz Museum in Stuttgart und führt mit “Sandmanns Welt” das etwas andere Tagebuch eines patchworkenden Autofahrers.

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