Führerscheinprüfung: Was tun bei Prüfungsangst und Fahrangst

Frei von Prüfungsangst: Fahrschülerin beim Absolvieren ihrer praktischen Fahrprüfung.

Nach der theoretischen Prüfung steht nun final die praktische Fahrprüfung zwischen dem Fahranfänger und seinem eigenen Führerschein. Aufregung, Nervosität und Unruhe vor dem Prüfungstag und unmittelbar vor der Fahrprüfung selbst sind dabei ganz normal – schließlich ist es ein wichtiger Tag. Doch was tun, wenn die Aufregung in Prüfungsangst umschlägt und die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt? Mit guter Vorbereitung und ein paar kleinen Tricks meistern Sie die Fahrprüfung trotz Prüfungsangst.

Prüfungsangst und ihre Symptome

Vor wichtigen Ereignissen und Prüfungen sind etwas Aufregung und Herzklopfen normal – jeder kennt es – und manchmal sogar gut, denn ein gewissen Maß an Stress kann sich leistungssteigernd auswirken. Doch wenn die Stresssymptome vor der Prüfung weitreichender sind, den Betroffenen in seiner Leistung einschränken und immer wieder in Leistungssituationen auftreten, handelt es sich möglicherweise um Prüfungsangst.

Typische Symptome von Prüfungsangst sind:

  • Herzrasen
  • Schwindel und Kreislaufprobleme
  • Hitzewallungen und/oder Schweißausbrüche
  • Feuchte Hände, trockener Mund
  • Puls, Blutdruck und Atemfrequenz erhöht
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Konzentrationsprobleme und Denkblockaden bis hin zu Blackout

Prüfungsangst sorgt für enormen Stress – psychisch und auch körperlich. Dabei geben sie dem Betroffenen das Gefühl, dass alles Gelernte und Geübte plötzlich weg ist. Vielmehr ist es aber der Stress, der zu Blockaden oder sogar Blackouts führt, sodass das Wissen und Können vom Prüfling nicht abgerufen werden kann.

Die Ursachen für Prüfungsangst können verschieden sein, doch neben der Angst vor dem Versagen bzw. Nichtbestehen einer Leistungsabfrage wiegt die Angst, sich zu blamieren, verspottet oder abgelehnt zu werden, meist sogar schwerer.

Gründe dafür können sein:

  • Druck von außen, z. B. von der Familie oder Freunden
  • schlechte Erfahrungen (vorherige Blackouts, Kontrollverlust, Prüfung nicht bestanden)
  • negative Gedanken und Szenarien („Das schaffe ich nicht“, „Ich werde das Einparken nicht hinbekommen“)
  • Schlechte, zu späte Vorbereitung (Prokrastination: Vorbereitung bis zum Schluss aufschieben)

Was Sie gegen die Angst vor der Fahrprüfung tun können: 7 Tipps

Fahranfängerin freut sich über den bestandenen Führerschein.

Während man für eine schriftliche Prüfung auf das gelernte Wissen vertrauen kann und eine bestimmte Bearbeitungszeit vorgegeben bekommt, ist das Besondere an der praktischen Fahrprüfung die Ungewissheit: Die Route bestimmt der Prüfer während der Fahrt, der Fahranfänger muss jederzeit spontan auf die Anweisungen des Prüfers, auf den Straßenverkehr und alle Straßenverkehrsteilnehmer sowie unvorhergesehene Situationen reagieren. Hier sind vor allem Ruhe, Konzentration und ein schnelles Reaktionsvermögen gefragt.

Mit der eigenen Einstellung, einer guten Vorbereitung und einem entspannten Start in den Prüfungstag können Sie bereits viel tun, um der Aufregung oder Prüfungsangst vor der Fahrprüfung entgegenzuwirken.

1. Fühlen Sie sich sicher und bereit?

Sind alle Pflichtstunden erfüllt und Ihr Fahrlehrer zufrieden, können Sie mit ihm besprechen, ob Sie schon bereit für die Prüfung sind oder noch weitere Übungsstunden für Ihr Sicherheitsgefühl absolvieren möchten. Sprechen Sie auch Ihre Sorgen und Ängste zu bestimmten Situationen oder Szenarien an. Der Fahrlehrer hat sicher gute Tipps und Lösungen parat, wie Sie sich verhalten sollen oder was Sie gemeinsam noch einmal üben können, damit Sie sich gut vorbereitet fühlen.

2. Termin zur Fahrprüfung: Top secret

Vermeiden Sie zusätzlichen Stress von außen. Ständiges Nachfragen und unterstützende Worte von Familie und Freunden sind zwar nett gemeint, bauen jedoch meist nur noch mehr Druck auf. Behalten Sie den Termin der Führerscheinprüfung am besten für sich oder grenzen Sie die Info auf die wichtigsten Personen ein. So haben Sie vor der Prüfung Ruhe und können im Anschluss selbst entscheiden, wann und wem Sie von Ihrer Fahrprüfung berichten.

3. Erholung am Vortag

Planen Sie vor Ihrer Fahrprüfung, insbesondere am Tag und unmittelbar davor, keine anstrengenden Aktivitäten oder andere, stressige Termine. Alles, was Sie entspannt oder auch ablenkt, ohne zu viel Energie zu rauben, ist super. Sorgen Sie außerdem für ausreichend Schlaf und gehen Sie etwas zeitiger ins Bett. Ein unruhiger Schlaf vor dem Prüfungstag ist besser als zu wenig Schlaf.

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Auf Alkohol oder beruhigende Medikamente sollten Sie dringend verzichten! Unter Einfluss von derartigen Mitteln ist das Fahren nicht nur verboten, Sie schränken dadurch zudem Ihre Leistungsfähigkeit erst recht ein.

4. Positive Vibes: Nichts kann passieren

Negative Gedanken und daraus resultierende Abwärtsspiralen gehören zu den Hauptauslösern von Prüfungsangst. Glauben Sie an Ihren Erfolg, vertrauen Sie auf das Gelernte und motivieren Sie sich mit dem Gedanken, dass Sie nach der bestandenen Prüfung mobil und unabhängig sind: Wo möchten Sie als Erstes hinfahren? Wen nehmen Sie mit? Wem berichten Sie als Erstes vom bestandenen Führerschein? So können Sie Ihre Aufregung in eine positive Haltung lenken. Halten Sie sich außerdem vor Augen, dass nichts Schlimmes passiert, wenn die Prüfung nicht bestanden ist. Sehr vielen anderen geht es ganz genauso.

5. Am Tag der Fahrprüfung: Essen nicht vergessen

Versuchen Sie am Tag Ihrer Prüfung normal zu frühstücken oder zumindest etwas Kleines zu essen. Sie brauchen Energie und mit nüchternem Magen könnte sich die Aufregung schnell in Übelkeit äußern. Verzichten Sie auf koffeinhaltige Getränke unmittelbar vor der Prüfung, denn diese tragen zusätzlich zur Nervosität bei.

6. Los geht’s zum Termin: Durchatmen

Wenn Sie Zeit haben, können Sie vor der Fahrprüfung einen kleinen Spaziergang machen, um den Kopf freizubekommen. Planen Sie ansonsten vor der Prüfung genug Zeit ein, um rechtzeitig und ohne Zeitdruck zum Termin zu erscheinen. Wenn möglich, fahren Sie gemeinsam mit Ihrem Fahrlehrer zum Startpunkt der Fahrprüfung. So können Sie sich schon einmal warmfahren. Dabei verfliegt häufig die erste Aufregung schon.

7. Fokus: Locker und konzentriert durch die Prüfung

Auch bei der besten Vorbereitung kann mal ein Patzer in der Prüfung passieren. In diesem Moment zählt allerdings nur eins: Weiter geht’s! Denken Sie nicht darüber nach, wenn Sie einen Fehler gemacht haben. Die meisten kleinen Fehler, die sich durch die Aufregung einschleichen, bedeuten nicht gleich das Aus der Fahrprüfung und ohnehin bestimmt der Prüfer, wann die Fahrt beendet ist. Konzentrieren Sie sich weiter auf das Fahren und befolgen Sie die Anweisungen des Prüfers.

Amaxophobie: die Angst vor dem Autofahren

Während sich die Angst vor der Fahrprüfung auf die Leistungserwartung der Prüfung selbst begrenzt, kann die Angst vor dem Autofahren für manche Menschen vor und während jeder Fahrt präsent sein. Hierbei handelt es sich um eine Angststörung, die den Betroffenen unter Umständen in seinem Leben und vor allem seiner Mobilität stark einschränken kann, sodass er auf Alternativen zum Autofahren angewiesen ist.

Unter dem Fachbegriff „Amaxophobie“ wird im Allgemeinen die Fahrangst, die Angst vor bestimmten Situationen beim Fahren oder auch die Angst vor dem Auto selbst zusammengefasst. Gegenstand dieser Phobie ist die Angst vor schweren Unfällen als Folge verschiedenster Verkehrssituationen. Die Betroffenen stellen sich dabei konkrete, aber fiktive Szenarien vor, die in einem schweren Unfall enden. Allein dieses „Kopfkino“ löst bei Phobikern reale Angst und Panik aus. Betroffene können aktive Fahrer, aber auch Beifahrer ohne Führerschein sein.

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Eine Phobie vor dem Autofahren ist nicht gleichzusetzen mit leichten Unsicherheiten und Stresssymptomen, wie sie für Fahranfänger typisch sind. Nur viel Übung und Routine macht aus einem Fahranfänger einen entspannten Profi. So sind viele Fahranfänger nervös, wenn sie das erste Mal allein auf der Autobahn fahren oder eine unbekannte Strecke meistern müssen.

Symptome und Ursachen für die Angst vor dem Autofahren

Die Symptome von ausgeprägter Fahrangst können denen der Prüfungsangst sehr ähneln und unterschiedlich ausgeprägt sein. Allerdings treten sie dann entsprechend immer beim Fahren oder bereits vor dem Antritt einer Autofahrt ein. Die Gefahr besteht dann vor allem darin, dass ein Fahrer mit Amaxophobie durch extreme Verspannung und Anspannung die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren kann oder durch reflexartige Manöver sich und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet.

Eine Fahrangst entsteht unter anderem häufig nach traumatischen Unfallerlebnissen oder auch durch Erzählungen und Erlebnisberichte, die der Betroffene gehört hat. Sehr sensible Menschen entwickeln auch durch dramatische Szenen aus den Nachrichten oder durch einen selbstverursachten, kleinen Blechschaden beim Einparken eine Angst vor dem Fahren.

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Besitzen Sie bereits einen gültigen Führerschein und sind nicht sicher, ob Sie eine Fahrangst entwickelt haben oder ob es für Ihre Unsicherheiten vielleicht andere Gründe gibt, sind Gesundheits- und Fitnesscheckups sowie Fahreignungstests zu empfehlen.

Fahrschulen für Menschen mit Fahrangst

Damit Betroffene von Fahrangst nicht auf die Mobilität und Unabhängigkeit des Autofahrens verzichten müssen, gibt es spezielle Fahrschulen für Menschen mit Fahrangst. Die extra ausgebildeten Fahrlehrer sind auf die Besonderheiten von Schülern mit Amaxophobie spezialisiert und gehen auf ihre Bedürfnisse ein. Die zusätzliche psychologische Schulung der Fahrlehrer ermöglicht ein besonders sensitives Heranführen des Fahrschülers an das Autofahren. Potenziell angstauslösende Situationen werden hier schrittweise geübt, um die Angst des Betroffenen zu überwinden.

Spezialisierte Fahrschulen bieten darüber hinaus auch Kurse und Fahrsicherheitstrainings für Fahrer an, die bereits einen Führerschein besitzen und erst später eine Fahrangst entwickelt haben oder etwa nur in bestimmten Situationen Angst haben – z. B. vor dem Fahren auf der Autobahn oder durch einen Tunnel.

In extremen Fällen von Amaxophobie kann zunächst eine Therapie sinnvoll sein, um die Ursache für die Angst vor dem Autofahren zu finden und entsprechende Lösungsansätze zu erarbeiten. Das Ziel kann dabei die Führerscheinprüfung, ein endlich wieder entspanntes Fahren oder auch nur ein entspannter Beifahrer sein. In jedem Fall ist es wichtig, professionelle Hilfe von außen zu suchen und auch anzunehmen, wenn eine deutliche Angst vor dem Fahren besteht.

Wenn keine spezialisierte Fahrschule vor Ort ist

Gibt es in Ihrer Nähe keine spezialisierte Fahrschule für Menschen mit Fahrangst, kann eine enge Zusammenarbeit von Fahrlehrer und Therapeut helfen. Je nach Ausprägung Ihrer Fahrangst sollten Sie zunächst Ihre Ängste in einer Therapie angehen. Besprechen Sie gemeinsam mit Ihrem Therapeuten, wann der richtige Zeitpunkt für den Beginn der Fahrschule ist. Ausschlaggebend für die erfolgreiche Fahrschule ist dabei das Vertrauensverhältnis zu Ihrem Fahrlehrer und sein Verständnis für Ihre Ängste. Ist dies gegeben, kann eine enge Zusammenarbeit zwischen Fahrlehrer und Therapeut ein gutes Mittel für angstfreie Fahrstunden und die erfolgreiche Fahrprüfung sein.

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