Fahrsicherheit im Alter: Fahrtauglichkeit prüfen lassen

Zweifellos blicken ältere Menschen beim Autofahren auf eine langjährige Erfahrung zurück, die sie über Jahrzehnte am Steuer gesammelt haben und die oft von Vorteil sein kann: Tägliches Pendeln oder auch weite Urlaubsfahrten haben Sie als routinierter Fahrer schließlich jahrelang mühelos gemeistert. Tatsächlich agieren ältere Fahrer sogar oft vorsichtiger als jüngere. Dass die Fahrtauglichkeit im Alter dennoch abnehmen kann, ist ein ganz normaler Prozess, der bei vielen Menschen schleichend und oft unbemerkt eintritt. Daher ist es wichtig, dass die Fahrtauglichkeit im Alter möglichst offen und vorurteilsfrei thematisiert wird.

Wichtige Schritte, um die Fahrtauglichkeit abzusichern:

  • Mit dem Hausarzt sprechen: Wie gut ist Ihr Gesundheitszustand und Ihr allgemeines Wohlbefinden? Nehmen Sie Medikamente ein, die die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen könnten?
  • Regelmäßig zur Kontrolluntersuchung gehen: Ein funktionierender Seh- und Hörsinn ist eine wichtige Voraussetzung für die Sicherheit im Straßenverkehr.
  • Die Fahreignung durch Fachleute beurteilen lassen: Fahrtauglichkeitsprüfungen und Testfahrten mit einem Fahrlehrer, ggf. verkehrsmedizinische Untersuchungen verschaffen Ihnen Klarheit.

Um festzustellen, ob und wie sehr Ihre Fahrtauglichkeit eingeschränkt sein könnte, helfen ehrliche Gespräche mit Verwandten und Bekannten und natürlich ärztliche Untersuchungen. Defizite bedeuten nicht immer, dass Sie überhaupt nicht mehr hinters Steuer dürfen – doch oft sind Anpassungen am Fahrverhalten notwendig. Mit einem gezielten Fahrsicherheitstraining für Senioren können Sie auch viele altersbedingte Herausforderungen beim Autofahren meistern lernen.

Im Folgenden erfahren Sie, welche Fragen Sie sich selbst oder älteren Bekannten und Angehörigen stellen können, um sicherzugehen, dass die Fahrtauglichkeit noch gewährleistet ist. Sie erhalten außerdem eine Übersicht über Anbieter, bei denen Sie Fahrtrainings und Fahrtauglichkeitsprüfungen durchführen können. Es gilt bei allen Anbietern: Die Ergebnisse sind vertraulich und werden nicht an Dritte weitergegeben.

Woran erkennen Sie eine verringerte Fahrtauglichkeit?

Häufige Unfallursachen sind Vorfahrtsfehler und Probleme beim Abbiegen oder Wenden sowie beim Rückwärts‑, Ein- und Anfahren. Verursachen ältere Fahrer einen Unfall, war ihnen zuvor oft nicht bewusst, dass ihre Fahrtauglichkeit womöglich eingeschränkt sein könnte. Altersbedingte Veränderungen der Sehkraft oder der Beweglichkeit stellen sich nicht von einem Tag auf den anderen ein, sondern sind Teil des natürlichen Alterungsprozesses. Daher ist es ratsam, dass Sie die Voraussetzungen der Fahrtauglichkeit (selbst-)kritisch abfragen und überprüfen:

Fahrtauglichkeit bei Senioren: Welche Fragen sollten Sie sich stellen?

  • Sehen: Sind Ihre Sehkraft und das periphere Sehen ausreichend? Können Sie also auch Dinge, die rechts und links von Ihnen geschehen, gut wahrnehmen?
  • Aufmerksamkeit und Konzentration: Fällt es Ihnen leicht, mehrere Dinge gleichzeitig zu beachten? Übersehen Sie häufiger etwas? Fallen Ihnen im Straßenverkehr Ampeln oder Verkehrsschilder erst spät auf?
  • Reaktion und Koordination: Wie gut ist Ihre Reaktionsschnelligkeit und Ihre Augen-Hand-Koordination? Bemerken Sie im Alltag z. B. öfter, dass Ihnen Dinge herunterfallen, weil Sie sie nicht rechtzeitig greifen können?
  • Beweglichkeit: Fällt Ihnen der Schulterblick manchmal schwer?
  • Unsicherheit: Fühlen Sie sich in manchen Fahrsituationen unsicher, z. B. bei Nachtfahrten, auf Kreuzungen oder beim Ein- und Ausparken?
  • Einschränkungen: Haben Sie Vorerkrankungen, die womöglich die Fahrtauglichkeit beeinflussen (Herzerkrankungen, Mobilitätsprobleme usw.)?
  • Medikamente: Nehmen Sie Medikamente ein, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen können?

Der ADAC empfiehlt, dass alle älteren Fahrer regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt durchführen lassen sollten: ab 50 alle zwei Jahre und ab 60 jedes Jahr. Bemerken Sie außerdem, dass Gespräche mit Nebengeräuschen immer mühsamer werden und Sie häufiger nachfragen müssen, ist ein Besuch beim HNO-Arzt empfehlenswert. Schwerhörigkeit muss beim Fahren kein Hindernis sein, aber gewisse Verhaltensanpassungen sind oft notwendig: So kann es helfen, das Radio auszustellen und die Spiegel stärker zu nutzen.

Wo können Sie Ihre Fahrtauglichkeit prüfen lassen?

Was ist eine Fahrtauglichkeitsprüfung?

Was wird geprüft?
In einer Fahrtauglichkeitsprüfung werden die grundlegenden Voraussetzungen geprüft, die zum Führen eines Fahrzeuges benötigt werden, z. B. Sehvermögen, Belastbarkeit, Reaktionsvermögen und die Konzentration. Weiterhin kann bei einer Fahrprobe im eigenen Auto das Fahrverhalten von einem Fahrlehrer geprüft werden. 

Wird das Ergebnis der Prüfung an die Behörden weitergegeben?
Nein, das Ergebnis einer solchen Prüfung wird weder an Behörden noch sonstige Dritte weitergegeben.

Was passiert, wenn Sie nicht bestehen?
Fallen bei der Prüfung Schwierigkeiten auf, können Sie selbst entscheiden, wie Sie damit umgehen möchten. So können Sie z. B. ein erneutes Fahrsicherheitstraining durchlaufen oder sich entscheiden, auf Fahrdienste oder den ÖPNV umzusteigen.

Lkw‑, Bus- oder Taxifahrer müssen regelmäßig zur Gesundheitsprüfung, doch für Pkw-Fahrer der Klasse B gilt diese Testpflicht nicht. Dennoch sind Fahrtrainings und ‑prüfungen auch für private Fahrer sinnvoll. Wenn Sie Ihre Fahrtauglichkeit prüfen lassen, haben Sie in jedem Fall Gewissheit, wie Sie weiter vorgehen sollten. Fahren Sie nur selten oder bemerken Sie, dass Sie z. B. das Fahren in der Stadt sehr anstrengt, können außerdem Fahrsicherheitstrainings sehr hilfreich sein.

Fahrsicherheitstrainings werden unter anderem von den Automobilclubs ADAC und ACE, von den Prüfstellen TÜV und Dekra, von der Verkehrswacht sowie von Fahrschulen angeboten. Die Fahrtrainings bestehen üblicherweise aus einem theoretischen und einem praktischen Teil:

  • Im theoretischen Teil werden die Teilnehmer u. a. über neue Regeln der Straßenverkehrsordnung informiert.
  • Im praktischen Teil werden alltägliche und weniger alltägliche Situationen mit dem eigenen Fahrzeug simuliert. Dabei üben Sie beispielsweise für alltägliche Situationen wie das Einparken, aber auch für Gefahrensituationen wie Bremsen bei einem plötzlich auftauchenden Hindernis, Umgang mit Glatteis oder Aquaplaning usw. 

Darüber hinaus bieten einige Anbieter verkehrsmedizinische und ‑psychologische Untersuchungen und Einschätzungen zur Fahreignung an. Bei manchen Anbietern können die Teilnehmer auch eigene ärztliche Befunde mitbringen, die beim Termin in Hinblick auf die Fahrtauglichkeit ausgewertet werden. 


ADAC: Fahr-Fitness-Check

Der ADAC bietet in Kooperation mit Fahrschulen Fahr-Fitness-Checks an, bei denen Sie zusammen mit einem Fahrlehrer im eigenen Pkw eine Testfahrt absolvieren. Im Anschluss erhalten Sie eine unverbindliche Einschätzung, wie die zukünftige Teilnahme am Straßenverkehr aussehen sollte. 

Das Programm befindet sich noch im Aufbau. Fragen Sie daher vorher bei Ihrem Standort nach, ob der Fahr-Fitness-Check dort angeboten wird.

Darüber hinaus bietet der ADAC unter dem Motto “Sicher mobil” kostenlose Gesprächskreise rund um das Thema Mobilität an. In den eineinhalb- bis zweistündigen Veranstaltungen kommen Themen zur Sprache, die für alle Verkehrsteilnehmer relevant sind, seien es Fußgänger, Nutzer des ÖPNV, Fahrradfahrer oder Autofahrer. Dabei werden z. B. Neuigkeiten aus der Fahrzeugtechnik, Aspekte des Verkehrsrechts und allgemeine Themen des heutigen Straßenverkehrs besprochen. 


DEKRA: Mobilitäts-Check für Senioren

Der Mobilitäts-Check für Senioren der DEKRA besteht aus drei einzeln oder zusammen buchbaren Modulen:

  • Verkehrsmedizinische Untersuchung und Beratung
  • Verkehrspsychologische Untersuchung und Beratung
  • Verkehrspsychologische Beobachtung des Fahrverhaltens

Am Ende des Mobilitätschecks erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat und Empfehlungen zur zukünftigen Teilnahme im Straßenverkehr.

  • Kosten: abhängig vom Standort
  • Dauer: 1 – 2 Stunden

Weitere Informationen:https://​www​.dekra​.de/​d​e​/​m​o​b​i​l​i​t​a​e​t​s​-​c​h​e​c​k​-​s​e​n​i​o​r​en/


TÜV SÜD: Fitness-Check

Das Angebot des TÜV SÜD richtet sich auch, aber nicht ausschließlich, an Senioren. Die meisten Standorte, die die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) anbieten, bieten auch den Fitness-Check an. Zum Fitness-Check gehören u. a. folgende Aspekte: 

  • eine Auswertung mitgebrachter medizinischer Befunde
  • eine verkehrsmedizinische Untersuchung
  • ein verkehrspsychologischer Leistungstest
  • bei Bedarf eine praktische Prüfung des Fahrverhaltens

Am Ende erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat sowie Empfehlungen zum weiteren Vorgehen.

Weitere Informationen: https://​www​.tuvsud​.com/​d​e​-​d​e​/​b​r​a​n​c​h​e​n​/​m​o​b​i​l​i​t​a​e​t​-​u​n​d​-​a​u​t​o​m​o​t​i​v​e​/​f​u​e​h​r​e​r​s​c​h​e​i​n​-​u​n​d​-​p​r​u​e​f​u​n​g​/​f​u​e​h​r​e​r​s​c​h​e​i​n​-​u​n​d​-​p​r​u​e​f​u​n​g​/​f​i​t​n​e​s​s​-​c​h​e​c​k​-​f​u​e​r​-​a​u​t​o​f​a​h​rer


TÜV Thüringen: Fitness-Check

Auch der TÜV Thüringen bietet die Möglichkeit einer verkehrsmedizinischen und ‑psychologischen Untersuchung. Wenn Ihnen ärztliche Atteste, Behandlungsberichte o. Ä. vorliegen, können Sie diese mitbringen.

Im Rahmen der ca. eineinhalbstündigen Untersuchung werden der allgemeine Gesundheitszustand und die Leistungsfähigkeit (z. B. das Reaktionsvermögen) überprüft. Bei einer Fahrprobe kann das Fahrverhalten unter realen Bedingungen getestet werden. Im Anschluss werden die Ergebnisse besprochen und ggf. Empfehlungen für die weitere Teilnahme am Straßenverkehr gegeben. Auf Wunsch können Sie ein schriftliches Zertifikat erhalten.

Weitere Informationen: https://​www​.tuev​-thueringen​.de/​p​k​/​f​a​h​r​e​i​g​n​u​n​g​-​t​a​u​g​l​i​c​h​k​e​i​t​/​s​t​r​a​s​s​e​n​v​e​r​k​e​h​r​/​f​i​t​n​e​s​s​-​c​h​e​ck/


TÜV Nord: MobilitätsCheck

Mit seinem MobilitätsCheck für ältere Autofahrer bietet der TÜV Nord älteren Verkehrsteilnehmern die Möglichkeit, folgende Kriterien ihrer Fahrtauglichkeit prüfen zu lassen:

  • Reaktionsfähigkeit und Belastbarkeit
  • Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit
  • Sicherheit und Schnelligkeit bezüglich der Überblicksgewinnung

Bei Bedarf können Sie auch eine Untersuchung durch einen Verkehrsmediziner wahrnehmen. Im Anschluss wird das Ergebnis besprochen und eine Empfehlung für das zukünftige Verhalten im Straßenverkehr ausgesprochen.

Weitere Informationen: https://​www​.tuev​-nord​.de/​d​e​/​p​r​i​v​a​t​k​u​n​d​e​n​/​v​e​r​k​e​h​r​/​p​s​y​c​h​o​l​o​g​i​e​-​m​e​d​i​z​i​n​-​m​p​u​/​a​e​l​t​e​r​e​-​k​r​a​f​t​f​a​h​r​e​r​i​n​n​e​n​k​r​a​f​t​f​a​h​r​er/


TÜV Rheinland: Fahrsicherheitstraining Pkw für Senioren

Der TÜV Rheinland bietet Fahrsicherheitstrainings speziell für Senioren an. Das Training besteht aus acht Übungseinheiten und die Übungen erfolgen in Ihrem eigenen Pkw.

Im Rahmen des Trainings wird das Wissen über Verkehrsregeln und ‑zeichen aufgefrischt, außerdem werden Neuerungen der StVO und häufige Unfallursachen besprochen.

Im praktischen Teil geht es darum, wie Sie im Auto richtig sitzen und den Überblick behalten. Des Weiteren werden Ausweich- und Bremsmanöver sowie Rangieren und Einparken geübt. Ziel ist es, durch praktische Übungen Gefahrensituation realistisch einzuschätzen und angemessen darauf zu reagieren.

Weitere Informationen: https://​akademie​.tuv​.com/​w​e​i​t​e​r​b​i​l​d​u​n​g​e​n​/​f​a​h​r​s​i​c​h​e​r​h​e​i​t​s​t​r​a​i​n​i​n​g​-​p​k​w​-​f​u​e​r​-​s​e​n​i​o​r​e​n​-​1​8​9​7​981


DVR: Pkw-Sicherheitstraining “sicher mobil”

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat bietet ein Pkw-Sicherheitstraining mit besonderem Fokus auf Situationen, die älteren Fahrern häufig Schwierigkeiten bereiten, z. B. Parken, Rangieren, Abbiegen, Spurhalten.

Mehr Informationen: https://​www​.dvr​.de/​p​r​a​e​v​e​n​t​i​o​n​/​t​r​a​i​n​i​n​g​s​/​t​r​a​i​n​i​n​g​s​a​n​g​e​b​o​t​e​/​p​k​w​-​s​i​c​h​e​r​h​e​i​t​s​t​r​a​i​n​i​n​g​-​a​e​l​t​e​r​e​-​m​e​n​s​c​hen

Darüber hinaus bietet der DVR das kostenfreie modulare Seminarprogramm “sicher mobil” an, das von den Partnern des DVR (ACE, ADAC, ARCD, BVF, DVW, VCD) in ganz Deutschland angeboten wird. In den 90- bis 120-minütigen Veranstaltungen werden alle Formen der Mobilität sowie die Rolle der eigenen Leistungsfähigkeit aufgegriffen.

Mehr Informationen: https://​www​.dvr​.de/​p​r​a​e​v​e​n​t​i​o​n​/​p​r​o​g​r​a​m​m​e​/​s​i​c​h​e​r​-​m​o​bil


Deutsche Verkehrswacht: “Mobil bleiben, aber sicher!”

Hierbei handelt es sich nicht um ein Fahrsicherheitstraining, sondern um spezielle Aktionstage, die vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) unterstützt werden. Bei den Verkehrssicherheitstagen werden z. B. ein Pkw-Simulator, aber auch Reaktionstests angeboten sowie Infos zur Gefahrenvermeidung im Straßenverkehr vermittelt.

Mehr Informationen: https://​deutsche​-verkehrswacht​.de/​t​h​e​m​e​n​/​m​o​b​i​l​-​b​l​e​i​b​e​n​-​a​b​e​r​-​s​i​c​h​er/


Fahrtauglichkeitsprüfungen im Ausland 

In einigen Ländern wie Dänemark und dem Vereinigten Königreich gilt der Führerschein für die Fahrzeugklasse B grundsätzlich nur bis 70 und muss danach mithilfe einer ärztlichen Untersuchung immer wieder verlängert werden. Damit der Führerschein erneuert werden kann, werden u. a. die Reaktionsgeschwindigkeit, das Hörvermögen und der allgemeine Gesundheitszustand geprüft.

In anderen Ländern, z. B. in Spanien, gilt der Führerschein generell nur für maximal zehn Jahre und muss daher auch in jüngeren Jahren regelmäßig erneuert werden. Im höheren Alter verkürzen sich jedoch die Abstände.

Übrigens: Wenn Sie im Urlaub einen Wagen mieten möchten, sollten Sie sich vorher beim Vermieter über die Bedingungen für ältere Fahrer erkundigen. Bei manchen Mietwagenfirmen gilt ein Höchstalter, andere verlangen bei älteren Fahrern einen Preisaufschlag oder eine ärztliche Bestätigung der Fahrtauglichkeit.

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