Fahrtauglichkeit trainieren und prüfen

Die Frage nach der Fahrtauglichkeit wird viel zu selten im Kreis der Verwandten und Bekannten und oft noch nicht einmal vom Arzt oder von der Ärztin angesprochen. Dabei ist es im Interesse aller, die Gefahr durch Verkehrsunfälle möglichst gering zu halten – nicht zuletzt für ältere Fahrerinnen und Fahrer selbst, denn für sie ist das Verletzungs- und Sterberisiko besonders hoch.

Sichergehen, dass man den Anforderungen im Straßenverkehr gewachsen ist

  • Mit dem Hausarzt sprechen: Ist der körperliche Allgemeinzustand in Ordnung? Falls Medikamente eingenommen werden: Können sie sich auf das Autofahren auswirken?
  • Regelmäßig zur Kontrolluntersuchung gehen: Besonders der Seh- und der Hörsinn sollten geprüft werden.
  • Die Fahreignung durch Fachleute beurteilen lassen: Fitness-Checks und Testfahrten mit einem Fahrlehrer, ggf. verkehrsmedizinische und ‑psychologische Untersuchungen

Auch wenn sich Defizite herausstellen, muss das aber nicht bedeuten, dass es das mit dem Autofahren dann war. Vielmehr hat sich gezeigt, dass auch ältere Fahrer durch gezieltes Training wieder fit für den Straßenverkehr gemacht werden können.

Im Folgenden erfahren Sie, welche Fragen Sie sich selbst oder älteren Bekannten und Angehörigen stellen sollten, um sicherzugehen, ob Sie selbst oder die andere Person noch selber Auto fahren sollte. Sie erhalten eine Übersicht über Anbieter, bei denen Sie Fahrtrainings und Fahrtauglichkeitsprüfungen durchführen können. Die Ergebnisse sind vertraulich und werden nicht an Dritte weitergegeben. Wo möglich, wurden die Adressen der Veranstaltungs- und Begutachtungsstellen zusammengetragen.

Woran erkennt man, dass man nicht mehr fahren sollte?

Häufige Unfallursachen sind die Missachtung der Vorfahrtsregeln und Probleme beim Abbiegen oder Wenden sowie beim Rückwärts‑, Ein- und Anfahren. Oft ist den älteren Unfallverursachern vorher gar nicht bewusst, wie stark sie inzwischen eingeschränkt sind, denn die Prozesse verlaufen schleichend. Mit der Zeit nimmt die Sehkraft ab, das Gesichtsfeld wird schmaler (peripheres Sehen!), es wird mühsamer, mehrere Dinge gleichzeitig zu beachten, und auch der Schulterblick fällt nicht mehr so leicht wie früher. Möglicherweise werden auch Medikamente eingenommen, die die Aufmerksamkeit verringern oder die Reaktionsschnelligkeit verlangsamen.

Fragen, die man sich stellen sollte

  • Sehen: Sind meine Sehkraft und mein peripheres Sehen ausreichend, sehe ich also auch Dinge, die rechts und links von mir geschehen?
  • Aufmerksamkeit und Konzentration: Übersehe ich Sachen oder kann ich auf mehrere Dinge gleichzeitig achten?
  • Reaktion und Koordination: Kann ich schnell genug reagieren, ist meine Auge-Hand-Koordination in Ordnung?
  • Beweglichkeit: Lasse ich den Schulterblick öfter mal weg, weil er mir Mühe macht?
  • Unsicherheit: Fühle ich mich unsicher, z. B. bei Nachtfahrten, auf Kreuzungen oder beim Ein- und Ausparken?
  • Einschränkungen: Habe ich relevante geistige oder körperliche Einschränkungen (Demenz, Herzerkrankungen usw.)?
  • Medikamente: Nehme ich Medikamente, die meine Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen können?

Der ADAC empfiehlt allen ab 50 alle zwei Jahre und allen ab 60 jedes Jahr eine Kontrolluntersuchung beim Augenarzt. Und wer bemerkt, dass Gespräche mit Nebengeräuschen immer mühsamer werden und man häufiger nachfragen muss, sollte den Gang zum HNO-Arzt nicht scheuen. Schwerhörigkeit muss beim Fahren kein Hindernis sein, aber man muss sich die Einschränkung bewusst machen und entsprechend damit umgehen (z. B. das Radio ausstellen und stärker die Spiegel nutzen).

Wo kann ich meine Fahrtauglichkeit prüfen lassen?

Was ist eine Fahrtauglichkeitsprüfung? 

Was wird geprüft?
In einer Fahrtauglichkeitsprüfung werden die grundlegenden Fähigkeiten ein Auto zu fahren geprüft. Zusätzlich ist es oft möglich, auch die Gesundheit des Fahrers in Hinblick auf das Autofahren zu untersuchen.

Wird das Ergebnis meiner Prüfung an die Behörden weitergegeben?
Nein, das Ergebnis einer solchen Prüfung wird weder an Behörden noch sonstige Dritte weitergegeben.

Was passiert, wenn ich nicht bestehe?
Fallen bei der Prüfung Defizite auf, liegt es am Fahrer selbst, angemessen damit umzugehen, beispielsweise mit Fahrtraining oder dem Wechsel auf Fahrdienste oder den ÖPNV.

Wer in Deutschland einen Lkw, einen Bus oder ein Taxi fährt, muss regelmäßig zur Gesundheitsprüfung. Für normale Pkw-Fahrer der Klasse B gilt die Testpflicht nicht, was aber nicht bedeutet, dass Fahrtrainings und ‑prüfungen nicht sinnvoll wären. Gerade wer nicht viel Auto fährt und an Kreuzungen oder Baustellen leicht in Stress gerät, sollte das Thema Fahrsicherheit in Angriff nehmen. Es gibt zahlreiche Angebote, um die eigenen Fähigkeiten beim Fahren prüfen zu lassen und zu trainieren. 


Hinweis: In Zeiten von Corona sind nicht alle Angebote wie üblich verfügbar.
Informieren Sie sich daher am besten telefonisch, ob und wo in Ihrer Nähe Veranstaltungen stattfinden oder gebucht werden können.


Fahrsicherheitstrainings werden u. a. von den Automobilclubs ADAC und ACE, von den Prüfstellen TÜV und Dekra, von der Verkehrswacht sowie von Fahrschulen angeboten. Die Fahrtrainings bestehen üblicherweise aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Im theoretischen Teil werden die Teilnehmer u. a. über neue Regeln der Straßenverkehrsordnung informiert. Im praktischen Teil werden alltägliche und weniger alltägliche Situationen mit dem eigenen Fahrzeug simuliert und eingeübt, beispielsweise Einparken, Bremsen bei einem plötzlich auftauchenden Hindernis, Kontrollverlust und die richtige Reaktion bei Glatteis oder Aquaplaning usw. 

Darüber hinaus bieten einige Anbieter verkehrsmedizinische und ‑psychologische Untersuchungen und Einschätzungen zur Fahreignung an. Bei manchen Anbietern können die Teilnehmer auch eigene ärztliche Befunde mitbringen, die beim Termin in Hinblick auf die Fahrtauglichkeit ausgewertet werden. Die Ergebnisse werden nicht an Dritte weitergegeben.


ADAC: Fahr-Fitness-Check

Der ADAC bietet in Kooperation mit Fahrschulen Fahr-Fitness-Checks an, bei denen Interessierte zusammen mit einem Fahrlehrer im eigenen Pkw eine Testfahrt absolvieren und danach eine unverbindliche Einschätzung erhalten, wie die zukünftige Teilnahme am Straßenverkehr aussehen sollte. Eine Weitergabe der Ergebnisse an Dritte erfolgt nicht. 

Das Programm befindet sich noch im Aufbau. Fragen Sie daher vorher bei Ihrem Standort nach, ob der Fahr-Fitness-Check dort angeboten wird.
Kosten: 59 € für ADAC-Mitglieder, 79 € für Nichtmitglieder (unverbindliche Preisempfehlung)
Dauer: 1,5 Stunden (davon 45 Min. Testfahrt)
Weitere Informationen: https://​www​.adac​.de/​f​a​h​r​f​i​t​n​e​s​s​c​h​eck

Darüber hinaus bietet der ADAC unter dem Motto “Sicher mobil” kostenlose Gesprächskreise rund um die Mobilität an. In den eineinhalb- bis zweistündigen Veranstaltungen kommen Themen zur Sprache, die für alle Menschen relevant sind, seien es Fußgänger, Nutzer des ÖPNV, Fahrradfahrer oder Autofahrer, z. B. Neues aus der Fahrzeugtechnik, Aspekte des Verkehrsrechts und allgemein Themen des heutigen Straßenverkehrs. 


DEKRA: Mobilitäts-Check für Senioren

Der Mobilitäts-Check für Senioren der DEKRA besteht aus drei einzeln oder zusammen buchbaren Modulen:

  • Verkehrsmedizinische Untersuchung und Beratung
  • Verkehrspsychologische Untersuchung und Beratung
  • Verkehrspsychologische Beobachtung des Fahrverhaltens

Am Ende erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat und Empfehlungen zum zukünftigen Verhalten im Straßenverkehr. Die Testergebnisse werden nicht an Dritte weitergegeben.

Kosten: abhängig vom Standort

Dauer: 1 – 2 Stunden

Weitere Informationen: https://​www​.dekra​.de/​d​e​/​m​o​b​i​l​i​t​a​e​t​s​-​c​h​e​c​k​-​s​e​n​i​o​r​en/


TÜV SÜD: Fitness-Check

Das Angebot des TÜV SÜD richtet auch, aber nicht nur an Senioren. Die meisten Standorte, die die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) anbieten, bieten auch den Fitness-Check an. Zum Fitness-Check gehört u. a. 

  • eine Auswertung mitgebrachter medizinischer Befunde
  • eine verkehrsmedizinische Untersuchung
  • ein verkehrspsychologischer Leistungstest
  • bei Bedarf eine praktische Prüfung des Fahrverhaltens

Am Ende erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat sowie Empfehlungen zum weiteren Vorgehen. Die Testergebnisse werden nicht an Dritte weitergegeben.

Weitere Informationen: https://​www​.tuvsud​.com/​d​e​-​d​e​/​b​r​a​n​c​h​e​n​/​m​o​b​i​l​i​t​a​e​t​-​u​n​d​-​a​u​t​o​m​o​t​i​v​e​/​f​u​e​h​r​e​r​s​c​h​e​i​n​-​u​n​d​-​p​r​u​e​f​u​n​g​/​f​u​e​h​r​e​r​s​c​h​e​i​n​-​u​n​d​-​p​r​u​e​f​u​n​g​/​f​i​t​n​e​s​s​-​c​h​e​c​k​-​f​u​e​r​-​a​u​t​o​f​a​h​rer


TÜV Thüringen: Fitness-Check

Auch der TÜV Thüringen bietet die Möglichkeit einer verkehrsmedizinischen und ‑psychologischen Untersuchung. Wer ärztliche Atteste, Behandlungsberichte o. Ä. hat, kann auch die mitbringen. Im Rahmen der ca. eineinhalbstündigen Untersuchung werden der allgemeine Gesundheitszustand und die Leistungsfähigkeit, z. B. das Reaktionsvermögen überprüft. Bei einer Fahrprobe kann das Fahrverhalten unter realen Bedingungen getestet werden. Im Anschluss werden die Ergebnisse besprochen und ggf. Empfehlungen für die weitere Teilnahme am Straßenverkehr gegeben. Auf Wunsch erhält man ein schriftliches Zertifikat. Auch hier sind die Ergebnisse vertraulich und werden nicht an Dritte weitergegeben.

Weitere Informationen: https://​www​.tuev​-thueringen​.de/​p​k​/​f​a​h​r​e​i​g​n​u​n​g​-​t​a​u​g​l​i​c​h​k​e​i​t​/​s​t​r​a​s​s​e​n​v​e​r​k​e​h​r​/​f​i​t​n​e​s​s​-​c​h​e​ck/


TÜV Nord: MobilitätsCheck

Mit seinem MobilitätsCheck für ältere Autofahrer bietet der TÜV Nord älteren Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern die Möglichkeit, ihre

  • Reaktionsfähigkeit und Belastbarkeit
  • Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit und ihre
  • Sicherheit und Schnelligkeit bezüglich der Überblicksgewinnung

testen zu lassen. Bei Bedarf kann auch eine Untersuchung durch einen Verkehrsmediziner erfolgen. Im Anschluss wird das Ergebnis besprochen und eine Empfehlung für das zukünftige Verhalten im Straßenverkehr ausgesprochen. Das Ergebnis ist in jedem Fall vertraulich.

Weitere Informationen: https://​www​.tuev​-nord​.de/​d​e​/​p​r​i​v​a​t​k​u​n​d​e​n​/​v​e​r​k​e​h​r​/​p​s​y​c​h​o​l​o​g​i​e​-​m​e​d​i​z​i​n​-​m​p​u​/​a​e​l​t​e​r​e​-​k​r​a​f​t​f​a​h​r​e​r​i​n​n​e​n​k​r​a​f​t​f​a​h​r​er/


TÜV Rheinland: Fahrsicherheitstraining Pkw für Senioren

Der TÜV Rheinland bietet Fahrsicherheitstrainings speziell für Senioren an. Im Rahmen des Trainings wird das Wissen über Verkehrsregeln und ‑zeichen aufgefrischt, außerdem werden Neuerungen der StVO und häufige Unfallursachen besprochen. Im praktischen Teil geht es darum, wie man im Auto richtig sitzt und den Überblick behält. Des Weiteren werden Ausweich- und Bremsmanöver sowie Rangieren und Einparken geübt. Ziel ist es, durch praktische Übungen Gefahrensituation realistisch einzuschätzen und angemessen darauf zu reagieren. Das Training besteht aus acht Übungseinheiten und die Übungen erfolgen im eigenen Pkw.

Weitere Informationen: https://​akademie​.tuv​.com/​w​e​i​t​e​r​b​i​l​d​u​n​g​e​n​/​f​a​h​r​s​i​c​h​e​r​h​e​i​t​s​t​r​a​i​n​i​n​g​-​p​k​w​-​f​u​e​r​-​s​e​n​i​o​r​e​n​-​1​8​9​7​981


DVR: Pkw-Sicherheitstraining “sicher mobil”

Der Deutscher Verkehrssicherheitsrat bietet ein Pkw-Sicherheitstraining mit besonderem Fokus auf Situationen, die älteren Menschen besondere Schwierigkeiten bereiten, z. B. Parken, Rangieren, Abbiegen, Spurhalten.

Mehr Informationen: https://​www​.dvr​.de/​p​r​a​e​v​e​n​t​i​o​n​/​t​r​a​i​n​i​n​g​s​/​t​r​a​i​n​i​n​g​s​a​n​g​e​b​o​t​e​/​p​k​w​-​s​i​c​h​e​r​h​e​i​t​s​t​r​a​i​n​i​n​g​-​a​e​l​t​e​r​e​-​m​e​n​s​c​hen

Darüber hinaus bietet der DVR das kostenfreie modulare Seminaprogramm “sicher mobil” an, das von den Partnern des DVR (ACE, ADAC, ARCD, BVF, DVW, VCD) in ganz Deutschland angeboten wird. In den 90- bis 120-minütigen Veranstaltungen werden alle Formen der Mobilität sowie die Rolle der eigenen Leistungsfähigkeit aufgegriffen.

Mehr Informationen: https://​www​.dvr​.de/​p​r​a​e​v​e​n​t​i​o​n​/​p​r​o​g​r​a​m​m​e​/​s​i​c​h​e​r​-​m​o​bil


Deutsche Verkehrswacht: “Mobil bleiben, aber sicher!”

Kein Fahrtraining, aber Verkehrssicherheitstage mit Pkw-Simulator, Reaktionstests und Infos zur Gefahrenvermeidung. Unterstützt wird das Ganze vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI).Mehr Informationen: https://​deutsche​-verkehrswacht​.de/​t​h​e​m​e​n​/​m​o​b​i​l​-​b​l​e​i​b​e​n​-​a​b​e​r​-​s​i​c​h​er/


Andere Länder, andere Sitten: Regelmäßige Prüfungen im Ausland 

In Ländern wie Dänemark und dem Vereinigten Königreich gilt der Führerschein für die Fahrzeugklasse B erstmal nur bis 70 und muss danach mithilfe einer ärztlichen Untersuchung immer wieder verlängert werden. Zur Erneuerung wird u. a. die Reaktionsgeschwindigkeit, das Hörvermögen und der allgemeine Gesundheitszustand geprüft.

Andernorts, z. B. in Spanien, gilt der Führerschein für maximal zehn Jahre und muss daher auch in jüngeren Jahren regelmäßig erneuert werden, im höheren Alter jedoch in kürzeren Abständen.

Übrigens: Wer im Urlaub einen Wagen mieten möchte, sollte sich vorher beim Vermieter über die Bedingungen erkundigen. Bei manchen Mietwagenfirmen gilt ein Höchstalter, andere verlangen bei älteren Fahrern einen Preisaufschlag oder eine ärztliche Bestätigung der Fahrtauglichkeit.

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