Schadensfall und Reparatur von E‑Autos

Für ein Elektroauto kommt nicht jede Werkstatt in Frage

Wie jedes herkömmliche Auto muss auch ein Elektroauto regelmäßig gewartet werden. Durch die reguläre Wartung können Pannen und Technikausfälle vermieden werden und die Sicherheit des E‑Autos wird erhöht. Doch was passiert, wenn es doch einmal zur Panne oder sogar zum Unfall kommt? Dieser Artikel beschäftigt sich mit Sicherheitsaspekten des Elektroautos und gibt Hinweise, was im Schadensfall zu beachten ist.

Wie sicher sind Elektroautos in der Praxis?

Autohersteller müssen bei ihren Elektromodellen einen besonders hohen Sicherheitsanspruch stellen. Neben der Sicherheit von Fahrer und Beifahrern steht vor allem die Sicherheit der empfindlichen Lithium-Ionen-Batterie im Vordergrund. Zu diesem Zweck verfügen Elektroautos in der Regel über einen verstärkten Rahmen unterhalb des Fahrzeugs, der die Batterie im Schadensfall schützt. Crashtests, in denen Elektroautos mit modellgleichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor verglichen wurden, haben gezeigt, wie sicher Elektroautos sind: Beim Aufprall reagiert das Hochvoltsystem binnen Millisekunden und trennt die Verbindung der Hochvoltleitung zwischen Elektroantrieb und Batteriepack. Die Komponenten sind so angelegt, dass der Stromfluss der Batterie sofort unterbunden wird, wenn ein Defekt im System auftritt, sodass sich die Batterie nicht entzündet. Das Risiko eines Fahrzeugbrandes ist also vergleichsweise gering.

Alle bisher verfügbaren Elektromodelle (Stand 2019) schnitten in Crashtests durchweg gut ab und erreichten im Schnitt sehr hohe Sicherheitswerte. Bei Tests von ADAC und DEKRA schnitten die Elektromodelle im Schnitt mindestens so gut ab wie vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotoren. Zum Teil wurde sogar mit höheren Geschwindigkeiten getestet als nötig und selbst in diesen Fällen konnten die E‑Autos überzeugen.

Interessant

Durch das hohe Gewicht des Akkus und der Schutzkarosserie liegt der Schwerpunkt von E‑Autos tiefer als bei herkömmlichen Pkw. Sie liegen dadurch sicherer auf der Straße und überschlagen sich nicht so leicht!

Wartung ist das A und O

Eine fachgerechte und regelmäßige Wartung ist für jedes Fahrzeug unerlässlich. Da unterscheiden sich Elektroautos nicht von Benzinern oder Dieselfahrzeugen. Die wartungsintensiven Bestandteile eines Benzin- oder Dieselfahrzeugs hängen allerdings häufig mit dem Antrieb zusammen:

  • Zündkerzen
  • Umlenkrollen
  • Kühler
  • Kupplung
  • Zahnriemen

All diese Teile verschleißen vergleichsweise schnell. Eine Reparatur oder ein Wechsel sind für den Fahrzeuginhaber oft mit erheblichen Kosten verbunden. Und genau hier liegt der Vorteil von Elektroautos: Ihre Elektromotoren bestehen aus wenigen Bauteilen. Sie kommen ohne die vielen Nebenaggregate aus, die bei einem Verbrennungsmotor unerlässlich sind, und sind dadurch auch weniger anfällig für alterungsbedingte Schäden.

Zwar verfügt ein Elektroauto über deutlich weniger Verschleißteile als ein herkömmliches Fahrzeug, eine Wartung ist dennoch unerlässlich. Beim Elektroauto werden primär folgende Bauteile gewartet:

  • Elektromotor
  • Wechselrichter
  • Bordladegerät
  • Akku

Diese Bestandteile des E‑Autos müssen regelmäßig inspiziert werden, um für fortlaufende Sicherheit und den Werterhalt des Fahrzeugs zu sorgen. Einer geschulten Fachkraft fallen kleinere Schäden auf, bevor sie zu problematischen oder sogar gefährlichen Situationen führen können. Auch Garantieansprüche können nur geltend gemacht werden, wenn die Schäden rechtzeitig erkannt und dem Hersteller gemeldet werden.

Vor allem der Akku muss regelmäßig einer Wartung unterzogen werden. Nach Expertenschätzungen haben die verbauten Lithium-Ionen-Akkus eine Lebensdauer von acht bis fünfzehn Jahren und müssen dann ausgetauscht werden. Vorher lassen sich kleinere Defekte aber durchaus reparieren. Dabei genügt es, diejenigen Zellen auszutauschen, die das System ausbremsen. Solche Defekte stellt das Batteriemanagementsystem moderner Elektroautos oft selbst fest, eine Wartung vom Fachmann ersetzt das System jedoch nicht.

Förderung durch Kommunen und Energieversorger

Viele Kommunen und Energieversorger in Deutschland fördern den Umstieg auf Elektromobilität im privaten wie unternehmerischen Bereich mit Zuschüssen. Interessierte informieren sich am besten im Vorfeld direkt bei ihrer Stadtverwaltung und beim örtlichen Energieversorger über eventuelle Zuschüsse und Förderungen. Die Stadtwerke Aachen bezuschussen den Kauf eines Elektroautos beispielsweise mit einer Summe von 500 Euro und die Mainzer Stadtwerke zahlen beim Kauf einer Wallbox mit Bezug von Ökostrom 400 Euro. Die Stadtwerke Wuppertal zahlen, sofern der Strom über sie bezogen wird, 1.000 Euro beim Kauf eines Elektroautos (Stand Januar 2020).

Info

Die Intervalle für die Wartung setzt in der Regel der Autohersteller fest. Für ein sicheres und langanhaltendes Fahrerlebnis sollten diese Wartungsintervalle eingehalten werden.

Für einen eventuellen Weiterverkauf ist eine regelmäßige Wartung von maßgeblicher Bedeutung. Ein gepflegtes Scheckheft ist ein wichtiges Kriterium für den Werterhalt eines jeden Fahrzeugs – das gilt auch für Elektroautos.

Durch eine regelmäßige Wartung können größere Schäden vermieden werden

Kosten für Wartung und Service

Der niedrigere Wartungsaufwand von Elektroautos schlägt sich auch in den Kosten für Wartung und Service nieder: Eine Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) aus dem Jahr 2012 ergab, dass die Kosten für Wartung und Reparatur von Elektroautos etwa 35 Prozent niedriger ausfallen als von vergleichbaren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Aktuelle Studienergebnisse können dies belegen: Der Kostenvorteil bei der Wartung für Elektroautos beträgt etwa ein Drittel oder mehr. Dies lässt sich mit dem baulich bedingten geringeren Wartungsaufwand von Elektroautos begründen.

Panne mit dem E‑Auto – Welche Werkstatt ist die richtige?

Eine Panne ist zunächst einmal ärgerlich, es besteht jedoch auch bei einem Elektroauto in der Regel keine unmittelbare Gefahr. Die elektrischen Komponenten des Fahrzeugs sind systembedingt abgesichert. Um das Elektroauto wieder in Gang zu setzen, muss entweder der Pannenservice kontaktiert oder direkt eine geeignete Werkstatt aufgesucht werden.

Ob zu Wartungszwecken oder nach einer Panne: Das Elektroauto muss in die Werkstatt. Dabei kommt für ein strombetriebenes Auto jedoch nicht jede Werkstatt in Frage. Um an Elektroautos arbeiten zu dürfen, müssen Mechaniker Fortbildungen bei TÜV, DEKRA oder Autoherstellern absolvieren. Erst nach über 100 Unterrichtseinheiten dürfen Mechaniker am Hochvoltsystem der Elektroautos arbeiten. Die Fortbildung gliedert sich dabei in drei Stufen:

  • Stufe 1: Bereiche des Autos ohne spannungsführende Teile dürfen gewartet werden.
  • Stufe 2: Umfassende Arbeiten am Auto, nicht aber am Hochvoltsystem sind erlaubt.
  • Stufe 3: Umfassende Arbeiten am gesamten Auto inklusive Hochvoltsystem sind gestattet.

Dieser Zeit- und Geldaufwand ist besonders für freie Werkstätten oft zu hoch, um wirtschaftlich zu sein. Das gilt insbesondere, wenn man die niedrigeren Wartungskosten von E‑Autos in Betracht zieht. Hinzu kommt, dass der Bestand an Elektroautos derzeit noch so gering ist und die Fahrzeuge so neu sind, dass viele Fahrzeughalter freiwillig den im Vergleich teureren Service der Vertragswerkstätten in Anspruch nehmen. Das liegt jedoch nicht zuletzt auch daran, dass Alternativen fehlen.

In jüngerer Zeit lässt sich jedoch ein Trend beobachten. Immer mehr große Werkstattketten rüsten auf und bilden ihre Mitarbeiter weiter, um der wachsenden Nachfrage am Markt nachzukommen. Durch den Ausbau des Elektromobilitätsnetzes werden immer mehr Werkstätten nachziehen. Fahrzeughalter sollten demnach in den kommenden Jahren immer häufiger eine Alternative zur Vertragswerkstatt finden können.

Info

Fahrzeughalter von Elektroautos sollten sich im Vorfeld bei ihrer Werkstatt informieren, ob sie für den Umgang mit Elektroautos geschulte Mitarbeiter beschäftigt. Nur dann kann eine umfassende und sichere Wartung gewährleistet werden.

Unfall mit dem E‑Auto: Sicherheit geht vor

Bei einem Unfall mit einem Elektroauto gelten zunächst die gleichen Regeln wie bei jedem anderen Unfall:

  1. Unfallstelle absichern: Warnweste anziehen und Warndreieck in 50 Meter (Stadt) oder 100 Meter (Land) Entfernung gut sichtbar aufstellen.
  2. Rettungskräfte alarmieren: 112 anrufen.
  3. Falls gefahrlos möglich: Unfallopfer bergen und betreuen.
  4. Falls nötig, erste Hilfe leisten.
  5. Rauch- und Gasentwicklung im Auge behalten!

Info

Oberste Priorität hat bei jedem Unfall die eigene Sicherheit. Anderen zu helfen ist nicht mehr möglich, wenn man in diesem Prozess selbst verletzt wird.

Mit dem Auslösen der Airbags schaltet ein E‑Auto im Falle eines Unfalls jeglichen Stromfluss innerhalb des Autos ab, um die Brandgefahr zu minimieren. Tests zeigen, dass dieses System funktioniert und die Brandgefahr von E‑Autos bei Unfällen nicht höher ist als bei Verbrennungsmotoren. Durch Überladung aufgrund einer defekten Ladestromregelung oder durch die sehr hohen Temperaturen eines Feuers von außen kann es dennoch zum Brand kommen. Da Lithium-Ionen-Akkus bei hohen Temperaturen selbst anfangen Sauerstoff freizusetzen, befeuert sich der Brand quasi selbst und ist dadurch nur schwer zu löschen. Im Falle eines Brandes sollten die Insassen sich, wenn möglich, schnell von dem brennenden Fahrzeug entfernen und die Feuerwehr rufen. Explosionsgefahr besteht nicht, da durch den Brand keine explosiven Gase freigesetzt werden. Im Gegensatz zum herkömmlichen Pkw, dessen Treibstoff sich im entflammten Zustand schnell ausbreitet und explodieren kann, bleibt die unmittelbare Brandgefahr bei einem Elektroauto auf die Batterie und das Fahrzeug beschränkt.

Die Feuerwehr ist geschult im Umgang mit solchen Bränden und setzt große Mengen Wasser ein, um den Brand zu löschen und die noch intakten Zellen des Akkus abzukühlen. So sollen neue Brandherde vermieden werden. Zusätzlich helfen die sogenannten Rettungskarten der Autohersteller der Feuerwehr dabei, geeignete Stellen in der Karosserie zu finden, um das Auto zu Löschzwecken gefahrlos aufschneiden zu können.

Durch die stetige Weiterentwicklung der Akkutechnologie ist in den kommenden Jahren damit zu rechnen, dass sich die Brandgefahr der Akkus noch weiter absenken wird. Elektroautos sind also nach heutigem Kenntnisstand schon sehr sicher auf den Straßen unterwegs, zum Teil sogar sicherer als herkömmliche Pkw. Addiert man nun noch die günstigen Wartungskosten für den Fahrzeughalter, wird schnell klar, dass sich der Umstieg auf ein E‑Auto lohnen kann.

Textquellen

https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/info/sicherheit-elektroauto/
https://www.smarter-fahren.de/elektroauto-wartung

Bildquellen

istock/ljubaphoto

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