Autofahren im Alter – So sind Senioren sicher unterwegs

Zwei ältere Autofahrer sitzen in einem parkenden Fahrzeug.

Mobil bleiben und selbstbestimmt leben, ist für ältere Menschen heute nicht nur ein Wunsch, sondern auch sehr lange die Realität. Dazu zählt nicht nur, einen eigenen Haushalt zu führen, sondern oftmals auch das Autofahren im Alltag. Viele Senioren nehmen also nicht nur als Fußgänger oder Fahrradfahrer am Straßenverkehr teil – mit der Lebenserwartung ist in Deutschland auch der Anteil an älteren Autofahrern gestiegen. Viele ältere Personen haben auch mit weit über 70 Jahren noch ein eigenes Auto, das sie für kurze Fahrten (z. B. zum Einkaufen), aber zum Teil auch für längere Reisen nutzen.

Obwohl viele Senioren heutzutage noch bis ins hohe Alter sehr fit bleiben, bringt das Alter doch einige natürliche Veränderungen mit sich, die mitunter die Fahrtauglichkeit beeinflussen können. Welche Möglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen, um Ihre Fahrtauglichkeit möglichst effektiv zu trainieren und lange sicher Autofahren zu können, lesen Sie in diesem Ratgeber. Ergänzend thematisieren wir, mit welchen alternativen Transportmitteln Senioren auch ohne eigenes Auto mobil bleiben können.

Autofahren im hohen Alter: Tipps für Senioren und Angehörige

Vater und Sohn führen ein Gespräch über das Autofahren im Alter.

Selbst zu erkennen, dass die Reaktionsgeschwindigkeit abgenommen hat oder manche Verkehrssituationen überfordern, ist nicht immer einfach. Dennoch ist es wichtig, dass ältere Menschen ihre Fahrtauglichkeit möglichst selbstkritisch einschätzen.

Wie können Sie Ihre Fahrtauglichkeit einschätzen?

Obwohl viele Senioren bis ins hohe Alter körperlich und geistig noch sehr fit bleiben, sind altersbedingte Schwierigkeiten beim Autofahren keine Seltenheit. Ein verringertes Sehvermögen oder eine eingeschränkte Beweglichkeit, die Ihnen im Alltag vielleicht kaum Probleme bereitet, können die Fahrsicherheit bereits beeinflussen. Die Fahrtauglichkeit offen zu thematisieren, sollte deswegen kein Tabu sein. Versuchen Sie Ihr Fahrverhalten möglichst realistisch einzuschätzen und holen Sie, wenn nötig, den Rat von Außenstehenden ein:

  • Wie bewerten Sie Ihren allgemeinen Gesundheitszustand? Bemerken Sie bereits Verschlechterungen, die sich nicht wirklich durch Hilfsmittel wie Sehhilfen oder auch technische Unterstützung im Fahrzeug ausgleichen lassen?
  • Fällt Ihnen auf, dass Sie sich in bestimmten Fahrsituationen unwohlfühlen oder nicht korrekt reagieren können? Sind Sie z. B. nervös, wenn Sie auf Kreuzungen zufahren, passieren Ihnen Vorfahrtsfehler oder verzichten Sie beim Spurwechsel häufig auf den Schulterblick?
  • Bemerken Sie, dass Sie bestimmte Defizite der Fahrtauglichkeit bereits kompensieren, z. B. nur noch bei Tageslicht oder sehr langsam fahren?

Wenn Sie sich unsicher sind, wie sich Ihr Fahrverhalten womöglich verändert hat, können Sie aber natürlich auch außenstehende Personen um eine objektive Einschätzung bitten. Eventuell können Angehörige und Freunde Sie auch als Beifahrer begleiten, um sich einen Eindruck zu verschaffen.

Wie können Senioren mit den Bedenken ihrer Angehörigen umgehen?

Fallen Ihnen selbst Defizite beim Autofahren auf oder werden Sie von Ihren Angehörigen darauf angesprochen, kann diese Tatsache zunächst schwer zu akzeptieren sein. Allerdings bedeuten nicht alle Herausforderungen beim Autofahren, dass Sie gar nicht mehr hinters Steuer sollten. Sie haben folgende Möglichkeiten:

  • Sind Sie unsicher, ob Ihre Fahrtauglichkeit wirklich beeinflusst ist? Eine Fahrtauglichkeitsprüfung kann für Klarheit sorgen. Die Ergebnisse werden natürlich vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben.
  • Die Reaktionsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit aber auch die Beweglichkeit lassen sich durch entsprechendes Fitness-Training und Denksport oft wieder steigern und auf einem guten Leistungsniveau halten.
  • Fahrsicherheitstrainings können zudem den Umgang mit Ausnahmesituationen schulen und Sie auch für schwierige Verkehrssituationen wieder fit machen.
  • Moderne Fahrerassistenzsysteme können eine umsichtige Fahrweise zwar nicht ersetzen, erleichtern Ihnen aber viele Verkehrssituationen, z. B. Berganfahrten oder Rückwärtsfahren.

Sollte sich dennoch herausstellen, dass die Bedenken berechtigt sind und Ihre Fahrtauglichkeit zu stark beeinträchtigt ist, gibt es viele Alternativen, mit denen Sie sicher unterwegs sind: vom ÖPNV bis zu Mitfahrzentralen und Fahrdiensten. Nicht mehr Auto fahren zu können, bedeutet also nicht automatisch einen Verlust an Lebensqualität.

Autofahren im Alter: Welches Unfallrisiko besteht?

Der Anteil, den Senioren als Verursacher an Verkehrsunfällen haben, liegt deutlich unter ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung. Ältere Fahrer blicken auf eine lange Fahrerfahrung zurück und tendieren oft zu einem vorsichtigeren Fahrstil. Selbst bei umsichtigen und routinierten Fahrern kann im hohen Alter die Fahrtauglichkeit dennoch abnehmen. Eine geringere Reaktionsgeschwindigkeit oder eine Einschränkung der Beweglichkeit können dann zu gefährlichen Situationen oder auch Unfällen führen: Bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden waren 2019 Personen ab 65 in 68 % der Fälle die Unfallverursacher, bei den Personen ab 75 waren es sogar 75 %. Um riskante Situationen im Straßenverkehr zu vermeiden, ist es daher besonders für ältere Autofahrer wichtig, die eigene Fahrtüchtigkeit regelmäßig zu prüfen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.1

Fit im Alter bleiben

Zwei ältere Wanderer machen eine Pause und genießen den Sonnenschein.

Die körperliche und besonders die geistige Fitness sind beim Autofahren das A und O. Gerade in etwas unübersichtlichen Situationen ist es wichtig, die Ruhe zu bewahren und bei Bedarf schnell reagieren zu können. Obwohl man beim Autofahren die meiste Zeit sitzt, sollte auch die körperliche Fitness berücksichtigt werden. Der Schulterblick muss z. B. jederzeit und ohne größere Mühe möglich sein. Durch regelmäßiges Training erhalten Sie Ihre körperliche und geistige Flexibilität und Leistungsfähigkeit und Ihre Lebensqualität steigt. In diesem Artikel geben wir einen Überblick über die Möglichkeiten, die geistige und körperliche Fitness im Alter gezielt zu trainieren und zu erhalten.

Fahrtauglichkeit prüfen

Mann stellt Leitkegel für einen Parcours beim Fahrsicherheitstraining für Senioren auf.

Anders als in vielen anderen Ländern werden in Deutschland die Führerscheine der Fahrzeugklasse B unbefristet ausgestellt und es gibt keine Verpflichtung zur regelmäßigen Überprüfung der Fahrtauglichkeit. Um Ihre eigene Sicherheit sowie die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten, sollten Sie sich jedoch jederzeit sicher sein, dass Sie den Anforderungen des Straßenverkehrs gewachsen sind.

Organisationen und Vereine wie der ADAC, DEKRA und TÜV, aber auch die Verkehrswacht und Fahrschulen haben oft Trainings und andere Veranstaltungen im Angebot, um die eigene Fahrtauglichkeit zu überprüfen und zu trainieren. Dieser Artikel erklärt, anhand welcher Kriterien Sie Ihre eigene Fahrtauglichkeit bewerten können, und listet Adressen für Trainings und Fahrprüfungen für Senioren.

Fahrerassistenzsysteme für Senioren

Fahrerassistenzsysteme für Senioren

Ein eigenes Auto bedeutet für viele Menschen mehr Flexibilität und Selbstständigkeit im Alltag. Wer sich heute ein neues Auto kauft, kann dabei eine ordentliche Menge Komfort und Sicherheit mitbestellen. Es gibt inzwischen zahlreiche Ausstattungsmerkmale und Fahrerassistenzsysteme, die das Autofahren vereinfachen: Navigationsgeräte machen den Blick in kompliziert gefaltete Straßenkarten unnötig, Einparkhilfen warnen, bevor es zum Blechschaden kommt, Spurwechselassistenten überwachen den toten Winkel.

Hier finden Sie einen Überblick darüber, worauf ältere Fahrer beim Kauf eines Fahrzeugs achten können und welche Fahrhilfen sinnvoll sind. 

Weg vom Auto: Alternative Mobilitätsangebote

Historische Straßenbahn in Mailand.

Wenn Sie kein Auto mehr fahren können oder möchten, finden Sie in Deutschland ein breites Angebot an alternativen Fortbewegungsmitteln: Stadtbewohner kommen schnell und sicher per Bus, Straßenbahn, U- und S‑Bahn von A nach B. Für ältere Fahrgäste gibt es außerdem oft Vergünstigungen und Einsteigeraktionen, die den Wechsel vom Auto auf den ÖPNV erleichtern sollen. Längere Strecken können Sie mit Bahn und Fernbus, aber auch über private Fahrer von Mitfahrzentralen bequem und oft ziemlich günstig zurücklegen. 

In diesem Artikel geben wir einen Überblick über alternative Mobilitätsangebote für Senioren.

Zusammenfassung als PDF

In dieser PDF-Datei haben wir alle Informationen aus dem Ratgeber noch einmal kompakt für Sie zusammengefasst.

1 Quelle: Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle. Unfälle von Senioren im Straßenverkehr 2019, https://​www​.destatis​.de/​D​E​/​T​h​e​m​e​n​/​G​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​-​U​m​w​e​l​t​/​V​e​r​k​e​h​r​s​u​n​f​a​e​l​l​e​/​P​u​b​l​i​k​a​t​i​o​n​e​n​/​D​o​w​n​l​o​a​d​s​-​V​e​r​k​e​h​r​s​u​n​f​a​e​l​l​e​/​u​n​f​a​e​l​l​e​-​s​e​n​i​o​r​e​n​-​5​4​6​2​4​0​9​1​9​7​0​0​4​.​p​d​f​?​_​_​b​l​o​b​=​p​u​b​l​i​c​a​t​i​o​n​F​ile

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