Senioren sicher unterwegs

Immer mehr ältere Menschen sind als Auto- und Fahrradfahrer, aber natürlich auch als Fußgänger unterwegs. Das liegt zum einen daran, dass der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung in Deutschland steigt, zum anderen aber auch an einer insgesamt gestiegenen Mobilität bis ins hohe Alter. Viele ältere Personen haben auch mit weit über 70 noch ein eigenes Auto, das sie für die Fahrt zum Einkaufen, für Besuche oder für Urlaubsreisen nutzen.

Die gute Nachricht: Der Anteil, den Senioren als Verursacher an Verkehrsunfällen haben, liegt deutlich unter ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung, was zum einen an ihrer langen Fahrerfahrung liegen dürfte, zum anderen aber auch daran, dass sich bei älteren Menschen durch den Wegfall des Arbeitswegs weniger Gelegenheiten ergeben, in einen Unfall zu geraten.

Aber: Wenn Senioren als Pkw-Fahrer an Verkehrsunfällen mit Personenschaden beteiligt sind, dann meistens als Verursacher: 2019 waren Personen ab 65 in 68 % der Fälle die Unfallverursacher, bei den Personen ab 75 waren es sogar 75 %. Und ihr Risiko, schwere gesundheitliche Schäden zu erleiden oder bei einem Unfall zu sterben, liegt deutlich über dem von Jüngeren: Im Jahr 2019 machten Personen ab 65 ein Viertel aller bei einem Unfall getöteten Pkw-Insassen aus.1

Um die Gefahr für sich selbst und andere möglichst lang gering zu halten, ist es daher besonders für ältere Personen wichtig, die eigene Fahrtüchtigkeit regelmäßig zu prüfen.

Ältere Fahrer sind stärker gefährdet

Senioren verursachen nicht mehr Unfälle als Nichtsenioren. Aber wenn Senioren an Verkehrsunfällen beteiligt sind, dann überwiegend als Verursacher. Und die Gefahr, bei Unfällen schwere Verletzungen zu erleiden oder zu sterben, steigt im Alter. 

Wie spreche ich es an?

Dass mit steigendem Alter die körperlichen und geistigen Fähigkeiten nachlassen, ist keine neue Erkenntnis. Dennoch fällt es vielen Menschen schwer, von alten Gewohnheiten zu lassen, auch wenn ihre Ausübung immer schwieriger oder – und hier wird es kritisch – gefährlicher wird. 

Die eigenen Eltern oder Freunde auf ihre nachlassenden Fähigkeiten anzusprechen ist oft nicht leicht. Die angesprochene Person könnte Zweifel an ihren Fähigkeiten als Angriff verstehen und entsprechend unwillig reagieren. Darüber hinaus bedeutet das Auto für viele ältere Menschen Selbstständigkeit, die sie sich nicht so leicht nehmen lassen wollen. Wer also infrage stellt, ob Papa oder Mama noch selbst fahren sollte, sollte sich auf dieses Gespräch gut vorbereiten, beispielsweise indem man das Fahrverhalten und den Allgemeinzustand der Person eine Weile beobachtet. Sieht oder hört die Person merklich schlechter als früher? Reagiert sie langsamer oder wirkt oft unkonzentriert? Sind beim Fahrverhalten Einschränkungen zu erkennen, beispielsweise Nervosität an großen Kreuzungen, Missachtung von Vorfahrtsregeln, fehlender Schulterblick beim Spurwechsel? Möglicherweise kompensiert die Person gewisse Defizite bereits und fährt beispielsweise nur noch bei Tageslicht oder relativ langsam. Auf solche Anzeichen können Angehörige achten und bei passender Gelegenheit das Gespräch suchen.

Dabei ist es wichtig darzulegen, dass die Feststellung von Defiziten nicht automatisch bedeutet, dass nicht mehr Auto gefahren werden darf. Kognitive Fähigkeiten, Reaktionsgeschwindigkeit und Aufmerksamkeit lassen sich beispielsweise mit entsprechendem Training oft wieder steigern und auf einem guten Niveau halten. Im Laufe der Zeit vernachlässigte Gewohnheiten wie der Schulterblick lassen sich durch häufiges Üben wieder antrainieren. Moderne Assistenzsysteme nehmen dem Fahrer viele Aufgaben ab und machen die Autofahrt nicht nur bequemer, sondern auch sicherer.

Sollte sich dennoch zeigen, dass das mit dem Autofahren einfach nicht mehr geht, ist es wichtig, Alternativen aufzuzeigen, damit der Verlust des Autofahrens nicht einen Verlust an Lebensqualität bedeutet.

Körper und Geist trainieren

Die körperliche und besonders die geistige Fitness sind beim Autofahren das A und O. Gerade in etwas unübersichtlichen Situationen ist es wichtig, die Ruhe zu bewahren und bei Bedarf schnell reagieren zu können. Durch regelmäßiges Training kann dem geistigen Abbau entgegengewirkt werden und die Lebensqualität wieder steigen.

Obwohl man beim Autofahren die meiste Zeit sitzt, ist auch die körperliche Fitness nicht zu vernachlässigen. Der Schulterblick muss jederzeit und ohne Mühe möglich sein. Darüber hinaus schützt ein trainierter Körper vor Verletzungen, für die ältere Personen naturgemäß anfälliger sind. Viele Sportvereine und Volkshochschulen bieten Kurse und regelmäßige Trainings speziell für ältere Teilnehmer.

Hier geben wir einen Überblick über die Möglichkeiten, die geistige und körperliche Fitness möglichst lang beizubehalten.

Fahrtauglichkeit trainieren und prüfen

Anders als in vielen anderen Ländern werden in Deutschland die Führerscheine der Fahrzeugklasse B unbefristet ausgestellt und es gibt keine Verpflichtung zur regelmäßigen Überprüfung der Fahrtauglichkeit. Dennoch ist es in jedermanns Interesse, sich nur dann hinters Steuer zu setzen, wenn man den Anforderungen im Straßenverkehr körperlich und geistig gewachsen ist. 

Organisationen und Vereine wie der ADAC, DEKRA und TÜV, aber auch die Verkehrswacht und Fahrschulen haben oft Trainings und andere Veranstaltungen im Angebot, um die eigene Fahrtauglichkeit zu überprüfen und zu trainieren.

Dieser Artikel bietet einen Überblick über die ersten Warnsignale sowie eine Liste mit Adressen für Trainings und Fahrprüfungen für Senioren.

Fahrerassistenzsysteme für Senioren

Ein eigenes Auto bedeutet für viele Menschen mehr Flexibilität und Selbstständigkeit im Alltag. Wer sich heute ein neues Auto kauft, kann dabei eine ordentliche Menge Bequemlichkeit und Sicherheit mitbestellen. Es gibt inzwischen zahlreiche Ausstattungsmerkmale und Assistenzsysteme, die das Autofahren vereinfachen: Navigationsgeräte machen den Blick in kompliziert gefaltete Straßenkarten unnötig, Einparkhilfen warnen, bevor es zum Blechschaden kommt, Spurwechselassistenten überwachen den toten Winkel.

Hier finden Sie einen Überblick darüber, worauf ältere Fahrer beim Kauf eines Fahrzeugs achten sollten und welche Fahrhilfen sinnvoll sind. 

Weg vom Auto: Alternative Mobilitätsangebote

Retro-Tram

Wer kein Auto mehr fahren kann oder möchte, hat hierzulande ein breites Angebot an alternativen Fortbewegungsmöglichkeiten: Stadtbewohner kommen schnell und sicher per Bus, Straßenbahn, U- und S‑Bahn von A nach B. Für ältere Fahrgäste gibt es oft Vergünstigungen und Einsteigeraktionen, die den Wechsel vom Auto auf die Öffentlichen erleichtern sollen. Längere Strecken lassen sich mit Bahn und Fernbus, aber auch über private Fahrer von Mitfahrzentralen bequem und oft ziemlich günstig überwinden. 

In diesem Artikel geben wir einen Überblick über alternative Mobilitätsangebote.

Zusammenfassung als PDF

In dieser PDF-Datei haben wir alle Informationen aus dem Ratgeber noch einmal kompakt für Sie zusammengefasst.

1 Quelle: Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle. Unfälle von Senioren im Straßenverkehr 2019, https://​www​.destatis​.de/​D​E​/​T​h​e​m​e​n​/​G​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​-​U​m​w​e​l​t​/​V​e​r​k​e​h​r​s​u​n​f​a​e​l​l​e​/​P​u​b​l​i​k​a​t​i​o​n​e​n​/​D​o​w​n​l​o​a​d​s​-​V​e​r​k​e​h​r​s​u​n​f​a​e​l​l​e​/​u​n​f​a​e​l​l​e​-​s​e​n​i​o​r​e​n​-​5​4​6​2​4​0​9​1​9​7​0​0​4​.​p​d​f​?​_​_​b​l​o​b​=​p​u​b​l​i​c​a​t​i​o​n​F​ile

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